Letztes Update am Di, 29.07.2014 23:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Festspiele - Jubel um „Die letzten Tage der Menschheit“



Salzburg (APA) - Im Salzburger Landestheater ist heute Abend nach viereinviertel Stunden (inklusive Pause) die Premiere von „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus mit Jubel und langem Applaus zu Ende gegangen. Die erste Schauspiel-Neuproduktion der Salzburger Festspiele 2014 steht zentral für die heurige Beschäftigung mit dem Gedenken an den Ersten Weltkrieg, 100 Jahre nach dessen Ausbruch.

Der österreichische Regisseur Georg Schmiedleitner hatte nach der Entlassung von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann kurzfristig die Regie dieser Koproduktion mit dem Burgtheater übernommen. Er hat eine Textfassung erstellt, die nahezu alle bekannten Szenen des Antikriegsstücks belässt, und er lässt auch die zentralen Figuren auftreten. Dörte Lyssewski brilliert als sensationslüsterne Kriegsberichterstatterin Schalek, wie überhaupt die Frauen in vielen Szenen gar nicht gut wegkommen und auch die Hausfrauen einander mit schrillen Tönen und groben Handgreiflichkeiten in die Haare geraten. Dietmar König gibt den Nörgler, Gregor Bloeb den Optimisten. Aus dem zahllose Rollen spielenden Ensemble stechen Christoph Krutzler, Peter Matic, Petra Morzé und Elisabeth Orth hervor.

Szenisch hält sich Schmiedleitner stark zurück. In der weitgehend kahlen Bühne von Volker Hintermeier, dessen Rückwand im zweiten Teil aufgebrochen wird, setzt er auf eine Abfolge von Nummern, die erst spät eine gewisse Sogwirkung entfalten. Für Marschmusik und gelegentliche Dissonanzen setzt er die Postmusik Salzburg ein. Das letzte Wort hat der Optimist: „Kopf hoch!“ - und meint damit das abgetrennte Haupt eines getöteten Feindes.

(S E R V I C E - „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus, Fassung von Florian Hirsch und Georg Schmiedleitner, Regie: Georg Schmiedleitner, Bühne: Volker Hintermeier, Kostüme: Tina Kloempken, Musik: Tommy Hojsa, Matthias Jakisic, Mit: Bernd Birkhahn, Gregor Bloéb, Lenny Dickson, Sven Dolinski, Stefanie Dvorak, Alexandra Henkel, Tommy Hojsa, Matthias Jakisic, Dietmar König, Christoph Krutzler, Dörte Lyssewski, Peter Matic, Petra Morzé, Elisabeth Orth, Thomas Reisinger, Laurence Rupp, Salzburger Festspiele in Koproduktion mit dem Burgtheater Wien, Salzburger Landestheater, Weitere Aufführungen: 30. Juli, 1., 2., 4., 6., 8., 9., 10., 12., 14., 15. August; Karten: 0662/8045-500, www.salzburgerfestspiele.at; Vorstellungen im Burgtheater ab 5. September; Karl Kraus: „Die letzten Tage der Menschheit“, Hg. Franz Schuh, Verlag Jung und Jung, Reihe „Österreichs Eigensinn“, 800 Seiten, 28 Euro)

(A V I S O - Die APA wird am Mittwochvormittag eine ausführliche Kritik anbieten.)




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