Letztes Update am Fr, 15.08.2014 19:50

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Massaker an Yeziden im Nordirak



Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) sollen in einem yezidischen Dorf im Nordirak ein Massaker angerichtet haben. Bis zu 100 Männer sollen im Ort Tel Kujo in der Sinjar-Region ermordet worden sein. Unterdessen erklärten sich sunnitische Stammesführer und Geistliche zur Zusammenarbeit mit der neuen irakischen Regierung unter dem designierten schiitischen Premier Haider al-Abadi bereit.

Al-Abadi strebt nach eigenen Worten eine nationale Einheit des Landes an. Der schiitische Politiker versprach seinen Landsleuten in einer Erklärung am Freitag, dass er künftig alle Gruppen einbeziehen und das Land einen wolle. Die aktuelle Lage erfordere eine neue Strategie, fügte er hinzu.

Der umstrittene Regierungschef Nuri al-Maliki hatte sich zugunsten seines Parteikollegens Al-Abadi zum Rückzug entschlossen. Eine neue Regierung gilt als Voraussetzung, um den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat in großen Teilen des Landes stoppen zu können. Für die Opfer des Massakers in Tel Kujo kommt das allerdings zu spät.

Mehr als 80 Männer seien getötet worden, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Basnews. Andere yezidische Quellen sprachen von etwa 100 Toten. Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw meldete über Twitter, die Opfer seien erschossen worden, weil sie nicht zum Islam übertreten wollten. Frauen und Kinder seien in einen anderen Ort verschleppt worden. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland spricht sogar von Hunderten Toten.

In der irakischen Provinz Anbar haben die Mitglieder von mehr als 25 sunnitischen Stämmen inzwischen gegen die Jihadisten zu den Waffen gegriffen. Stammesführer Scheich Abduljabbar Abu Risha sagte am Freitag, die gemeinsame Front aller Stämme sei seit Wochen geschmiedet worden. Sie hänge nicht mit dem Rücktritt des schiitischen Regierungschefs Nuri al-Maliki zusammen.

Die EU-Außenminister erklärten bei einer Sitzung in Brüssel am Freitag ihre Unterstützung für Waffenlieferungen einzelner EU-Staaten an die Kurden im Kampf gegen die IS. Die EU begrüße, dass einzelne Länder die Anfragen der kurdischen Sicherheitskräfte positiv beantworten, sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Brüssel. Nach Angaben von Österreichs Außenminister Sebastian Kurz dürften London und Paris Waffenlieferungen leisten.

Was dies konkret bedeute, sei schwieriger zu sagen als aus bisherigen Statements der Regierungen hervorgehe, sagte Steinmeier. Die kurdischen Streitkräfte seien weitgehend mit Ausrüstung vom früheren Ostblock versorgt. Daher könnte Munition aus Osteuropa geliefert werden, wo noch Bestände vorhanden seien.

Für Österreich seien Waffenlieferungen in den Nordirak aber weiterhin ausgeschlossen, erklärte Kurz. Österreich wird aber schon in den nächsten Tagen medizinische Hilfsgüter in den Nordirak zur humanitären Hilfe liefern. Damit solle eine medizinische Erstversorgung von bis zu 100.000 Menschen sichergestellt werden. Diese Hilfsaktion ist zusätzlich zu den Hilfsgeldern aus dem Katastrophenfonds in Höhe von einer Million Euro geplant.




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