Letztes Update am So, 31.08.2014 09:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europäischer Kardiologenkongress: Bessere Therapie bei Herzschwäche



Barcelona (APA) - In Österreich sind etwa 300.000 Menschen von chronischer Herzschwäche betroffen, in Europa etwa 28 Millionen. Studien, die jetzt beim Europäischen Kardiologenkongress (30. August bis 3. September) in Barcelona vorgestellt werden, deuten auf bessere Behandlungsmöglichkeiten hin. Wiener Wissenschafter konnten belegen, dass auch Kranke mit Herzinsuffizienz mit Lungenhochdruck davon profitieren.

Demnach verbessert erstmals eine Therapie bei Patienten, die gleichzeitig unter Herzinsuffizienz (HI) und Lungenhochdruck leiden, die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit. Das zeigt eine Untersuchung von Diana Bonderman (Abteilung für Kardiologie, MedUni Wien/AKH). Die Wissenschafterin in Barcelona: „Je früher mit der Therapie begonnen wurde, desto wirksamer war sie.“

Nach der Behandlung mit dem Wirkstoff Riociguat, das bisher vor allem bei Lungenhochdruck (Pulmonalhypertonie) eingesetzt wurde, gab eine überwiegende Mehrheit der 201 Studienteilnehmer an, dass sich die Lebensqualität deutlich verbessert habe, dass alltägliche Tätigkeiten wie Einkaufen gehen oder Stiegen steigen leichter gefallen seien.

Die Kardiologin: „Eine wichtige Erkenntnis aus der aktuellen Studie ist, dass vor allem jene Patienten von der Therapie profitierten, bei denen die Erkrankung noch nicht weit vorgeschritten war. Sollte sich diese Substanzklasse in der Herzinsuffizienztherapie etablieren, so wird es sicherlich sinnvoll sein, betroffene Patienten möglichst in einem Krankheitsstadium zu behandeln, in dem Lungengefäße und die rechte Herzkammer noch nicht vom Krankheitsprozess betroffen sind.“

Derzeit ist Riociguat für die Therapie des isolierten Lungenhochdrucks zugelassen. „Für Patienten, die an einem Lungenhochdruck in Zusammenhang mit einer Herzschwäche leiden, gibt es derzeit keine zugelassene Lungenhochdrucktherapie“, so Bonderman. Dies könnte sich jetzt vor allem solche Patienten mit beiden Erkrankungen und hoher Sterblichkeit positiv auswirken.

Negative Ergebnisse brachte hingegen die österreichweit durchgeführt BADDHY-Studie, in der die Wirksamkeit des Wirkstoffes Bosentan bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz bei gleichzeitigem Lungenhochdruck untersucht wurde. Eine diastolische Herzinsuffizienz liegt dann vor, wenn es zu einer Störung der Füllung des Herzens mit Blut kommt. Das den körpereigenen Gefäßbotenstoff Endothelin blockierende Medikament konnte gegenüber mit Placebo behandelten Patienten keinen Vorteil zeigen. Endothelin wirkt stark Gefäß-verengend. Die Ergebnisse wurden von Studienleiter Wilhelm Grander (Kardiologie & Intensivmedizin, Landeskrankenhaus Hall i. Tirol) bei dem Kongress mit rund 25.000 Teilnehmern vorgestellt. Allerdings handelt es sich nur um eine kleine wissenschaftliche Untersuchung mit 20 Probanden.

Gerade bei Herzschwächepatienten kommt es auf eine langfristige und engmaschige Überwachung der Patienten an, um bei einer Verschlechterung ihres Zustandes sofort eingreifen zu können. Für Kranke mit einer speziellen Form der Herzinsuffizienz, bei der die linke Herzkammer noch ausreichend arbeitet, könnte die Kombination einer Messung des C-reaktiven Proteins (CRP) und der Konzentration an dem Peptid NT-proBNP, das bei Herzinsuffizienzpatienten schon seit längerem eingesetzt wird, eine besser Kontrolle ermöglichen.

Diese Ergebnisse berichtet bei dem Kongress Lorenz Koller (Univ.-Klinik für Kardiologie, MedUni Wien im AKH). Der Vorteil der beiden Marker, die man offenbar kombinieren sollte, liegt darin, dass sie einfach zu messen und schon längst routinemäßig verwendet werden. Patienten, welche die höchsten Werte an dem Entzündungsmarker CRP im Blut aufwiesen, hatten rund die doppelte Mortalität. Das ergab sich aus der Studie mit 522 Probanden.




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