Letztes Update am Do, 11.09.2014 18:55

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Auf den Hund gekommen: Bettina Balakas Roman „Unter Menschen“



Wien (APA) - Der Held ist klein und schwarz, wird ständig anders gerufen und heißt zwischendurch auch mal Robert Pattinson. Es handelt sich um eine schwarze Promenadenmischung aus Jack Russell Terrier und Dackel, die sich „Unter Menschen“ recht wohlfühlt, doch dauernd in andere Hände gerät. Bettina Balaka kommt in ihrem neuen Roman der Hundeseele zwar recht nahe, doch geht es ihr um Zwei- nicht um Vierbeiner.

Schon in ihrem bisher letzten Roman „Kassiopeia“ (2012) hatte die 1966 geborene und in Wien lebende Salzburgerin eine Vielzahl von Figuren versammelt, anhand derer das moderne Beziehungsleben variantenreich durchgespielt wurde. Auch diesmal hat man Probleme, den Überblick über das auftretende Personal zu bewahren. Denn der kleine, schwarze Welpe, der mal Berti, mal Ricky und dann wieder Bagheera genannt wird, hat wechselnde Besitzer. Und ist auch bei weitem nicht der einzige Hund, auf den man in den miteinander verknüpften Geschichten trifft.

Doch noch prächtiger als die Hundemeute ist der Menschenzoo, den Balaka zur Besichtigung freigibt: Der schwer übergewichtige Physiker Marcel, der auf eine brasilianische Heiratsschwindlerin herein- und danach in tiefe Depressionen fällt, sowie die Angestellte Lydia, deren Exmann ihren Sohn nach Bali entführte und die nun als wahrer Tier-Messie ihre eigenen vier Wände zum Dschungel umgestaltet, sind die beiden exotischsten Exemplare einer Menagerie, in der ein kleiner schwarzer Hund noch als normalstes Lebewesen erscheinen muss.

Auch wenn sich Balaka eines auktorialen Erzählers bedient, hat sie sich alle Mühe gegeben, sich in die Welt aus Hundeperspektive einzufühlen. Diese Welt riecht ziemlich intensiv und ist voller Missverständnisse in der Kommunikation. Rohschinken, den die verschiedenen Herrchen und Frauchen als besonderes Leckerli bereithalten, kann das geplagte Tier schon bald nicht mehr riechen, und mitunter sind die Botschaften, die von den Menschen ausgestrahlt werden, allzu widersprüchlich: „Berti hörte: ‚ Blablah Bagheera, Blablablah blablah blablah. Bla bla Badewanne bla duschen. Blablah Leine. Blablablah blah blah trinken bla Fressen. Blablablah Hunde bla blah. Blablah Begheera blah guter Hund.‘ ‚Badewanne‘ und ‚duschen‘ waren schreckliche Worte, bei denen Berti sich normalerweise sofort unter das Sofa verzog, (...) ‚Trinken‘, ‚fressen‘ und ‚guter Hund‘ waren hingegen angenehme Worte. Die Lage insgesamt war also unklar.“

Bisher hat Balaka, die seit langem in der vorderen Riege der heimischen Gegenwartsautoren schreibt, noch keinen Bestseller landen können. Vielleicht könnte sich das nun ändern. Doch man sollte sich nicht täuschen: „Unter Menschen“ ist kein herziges Buch. Es hat nicht nur liebenswerte Seiten, sondern kann auch ganz schon ruppig sein. Es buhlt nicht um die Gunst des Lesers, man kann aber dennoch innige Freundschaft mit ihm schließen. Viele Gründe also, um dem Buch ein Zuhause zu bieten. Stubenrein ist es mit Sicherheit.

(S E R V I C E - Bettina Balaka: „Unter Menschen“, Haymon Verlag, 328 S., 19,90 Euro, Buchpräsentation: 16.9., 19 Uhr, Thalia Buchhandlung, Wien 6, Mariahilfer Straße 99, www.balaka.at)




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