Letztes Update am Di, 16.09.2014 08:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Albanien - Zensus 2011: Christen sehen sich unterrepräsentiert



Tirana/Shkodra (APA) - Albanien, das in der KP-Ära den Atheismus quasi zur Staatsreligion erhob, ist mehrheitlich muslimisch. 57 Prozent sind sunnitische Muslime. Christen (Katholiken und Orthodoxe) machen nach dem umstrittenen Zensus von 2011 insgesamt 17 Prozent aus, nach deren eigenen Angaben aber 31 Prozent.

Ethnisch hat das gut drei Millionen Menschen zählende Land der Skipetaren eine relativ homogene Bevölkerung - mehr als 95 Prozent sind Albaner. Die restliche Bevölkerung setzt sich aus griechischen und slawischen Minderheiten sowie Roma zusammen.

Die Volkszählung von 2011 sei irregulär abgelaufen und nicht repräsentativ, kritisiert vor allem die orthodoxe Kirche. Bis zu 60 Prozent der Bürger seien nicht korrekt oder gar nicht befragt worden. Die Orthodoxen definieren die Zahl ihrer Gläubigen mit bis zu 24 Prozent, womit sie mehr Mitglieder hätten als die Katholiken. Im Zensus wurden nur knapp sieben statt 20 Prozent Orthodoxe registriert und zehn statt 15 Prozent Katholiken.

Auch die Bektashi seien mit zwei Prozent zu niedrig veranschlagt worden, sagen die Kritiker. Dieser islamisch-alevitische Derwisch-Orden ist in Anatolien und auf dem Balkan heimisch. Bektashi-Derwische waren geistliche Berater der osmanischen Elitetruppen der Janitscharen. Albanien wurde ein Zentrum der Bektashi, als Sultan Mahmud II. 1826 die Janitscharen-Truppe auflöste und die Bektashi-Heiligtümer schließen ließ.

Die katholische Kirche hat eine lange Tradition. So ist der Franziskaner-Orden seit 800 Jahren in Albanien präsent. Derzeit stellen die Franziskaner zwei Bischöfe. Die Zahl der Katholiken beträgt nach eigenen Angaben 450.000 bis 500.000. Die meisten leben in der Diözese Shkodra im Norden - rund 150.000 Gläubige in 40 Pfarren. Es gibt fünf Diözesen und ein Apostolische Nuntiatur. 34 von 200 Priestern sind 34 Albaner, viele stammen aus Italien.

Die katholischen Schulen, darunter Gymnasien und Fachschulen (HTL), sind sehr begehrt. Schon vor der KP-Diktatur galten die konfessionellen Schulen als Bildungsstätten der Elite. In der Katholischen Universität „Nostra Signora del Buon Consiglio“ trifft Papst Franziskus mit den Religionsführern zusammen.

Die albanisch-orthodoxe Kirche ist seit 1937 autokephal. Der Heilige Synod wurde 1998 wieder errichtet, der erste albanische Metropolit installiert. Es gibt acht Bischöfe, vier Diözesen und 400 Pfarren. 150 Albaner wurden seit der „Wende“ zu Priestern geweiht. Von rund 640 Gütern im Besitz der orthodoxen Kirche wurden nach der Diktatur nur rund 200 zurückerstattet.

Auch die orthodoxe Kirche verfügt über Kindergärten und Schulen in verschiedenen Städten und unterhält wie die Katholiken soziale Einrichtungen wie Armenküchen. In Tirana existiert ein modernes Diagnosezentrum. Die orthodoxe Logos-Universität wurde 2010 in Tirana eröffnet.

Orthodoxe wie Katholiken haben seit einigen Jahren repräsentative moderne Kathedralen. Der Papst besucht die 2002 fertiggestellte Pauluskathedrale in Tirana, nicht aber die neue Stephanskathedrale in Shkodra, die größte Kirche im Balkan, die 3.000 Menschen Platz bietet. Zur riesigen orthodoxen Auferstehungskirche in Tirana gehört ein multikulturelles Zentrum mit 600 Plätzen, das für Konzerte und andere Veranstaltungen vermietet wird.

Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt es in Albanien nicht, dieser erfolgt in den jeweiligen katholischen oder orthodoxen Pfarren.




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