Letztes Update am Mi, 08.10.2014 19:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Höhlenmalereien in Indonesien mindestens so alt wie in Europa



Paris (APA/AFP) - Europa ist offenbar nicht die alleinige Wiege der Höhlenmalerei: Auch in Indonesien malten unsere Vorfahren schon vor rund 40.000 Jahren an Höhlenwände. Auf dieses Alter datierten Wissenschafter eine auf der indonesischen Insel Sulawesi auf eine Felswand gemalte Hand, wie es in einer am Mittwoch im britischen Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten Studie heißt.

Die ebenfalls in einer Höhle auf der Insel gefundene Zeichnung eines schweineähnlichen Tieres ist wohl mindestens 35.400 Jahre alt und damit womöglich das weltweit älteste bekannte Bild eines Tieres. Wissenschafter um Anthony Dosseto von der australischen Universität Wollongong untersuchten in sieben Höhlen auf Sulawesi zwölf Malereien, bei denen Hände wie eine Schablone auf die Felswand gedrückt und die Umrisse mit Farbe nachgezeichnet wurden, sowie zwei Zeichnungen von Wildtieren. Die Höhlenmalereien selbst waren schon vor mehr als 50 Jahren entdeckt, ihr Alter war aber nie gründlich untersucht worden. Es wurde angenommen, dass solche Malereien im tropischen Klima der Region nicht länger als 10.000 Jahre überdauerten.

Die Forscher konnten nun mithilfe der sogenannten Uranreihen-Datierung das Alter hauchdünner mineralischer Ablagerungen bestimmen, die sich über die Malereien gelegt hatten. Mit der Methode wird der radioaktive Zerfall gemessen. Dadurch wird nur das Mindestalter bestimmt - die Malereien könnten also noch älter sein.

Der 40.000 Jahre alte Umriss einer Hand, in roter Farbe gemalt, ist der Studie zufolge die älteste bisher gefundene Zeichnung dieser Art. Und die Zeichnung eines dickbauchigen Babirusa - einer Art Mischung aus Schwein und Hirsch - ist mit seinen 35.000 Jahren eine, wenn nicht gar die älteste Darstellung eines Tieres, wie die Forscher betonten. Bei dem Babirusa sind die vier Beine, der Kopf und der Schwanz noch gut sichtbar.

„Es konnte bewiesen werden, dass Menschen vor rund 40.000 Jahren an den entgegengesetzten Enden der eurasischen Welt in der Zeit des Pleistozän Felsenkunst schufen“, schreiben die Autoren. Bisher galt Europa, wo viele Zeugnisse aus dieser Zeit bekannt sind, als die Wiege der prähistorischen Kunst. „Europäer können nicht mehr für sich allein in Anspruch nehmen, als erste das abstrakte Denken entwickelt zu haben“, erklärte Dosseto. „Sie müssen das mindestens mit den frühen Bewohnern Indonesiens teilen.“

Nach Angaben von Wil Roebroeks von der niederländischen Universität Leiden wurde die bisher älteste bekannte Höhlenzeichnung in der El-Castillo-Höhle im Norden von Spanien entdeckt, sie ist 37.300 Jahre alt. Die älteste bekannte Abbildung eines Tieres war die Holzkohle-Zeichnung eines Nashorns in der Chauvet-Höhle in Frankreich. Sie ist zwischen 35.300 und 38.827 Jahre alt.

Der „Nature“-Studie zufolge ergeben sich aus den neuen Erkenntnissen zwei Möglichkeiten: Entweder die Menschen entwickelten die Höhlenmalerei unabhängig voneinander an vollkommen unterschiedlichen Orten der Erde. Oder der Homo Sapiens malte bereits, als er sich vom afrikanischen Kontinent aus in der Welt verbreitete.




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