Letztes Update am Sa, 11.10.2014 13:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IS - YPG: Kurdische Speerspitze im Kampf gegen Jihadisten in Syrien



Kobane (Ayn al-Arab/Kobani) (APA/AFP) - Die Volksverteidigungseinheiten (YPG) sind die kurdische Speerspitze bei der Verteidigung der nordsyrischen Grenzstadt Kobane gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Yekineyen Parastina Gel, wie sie auf Kurdisch heißen, sind de facto die Armee der syrischen Kurden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Truppe im Überblick:

SEIT WANN GIBT ES DIE VOLKSVERTEIDIGUNGSEINHEITEN?

Die Volksverteidigungseinheiten sind der bewaffnete Arm der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD). Die Miliz wurde laut dem US-Experten Wladimir van Wilgenburg 2004 nach kurdischen Protesten gegen die syrische Regierung gegründet. Erst im Juli 2012, gut ein Jahr nach Beginn des Volksaufstands in Syrien, trat die Miliz jedoch offiziell in Erscheinung. Ihr Auftreten fiel mit dem Rückzug der Regierungsarmee aus den Kurdengebieten zusammen, nachdem sich die Kurden offenbar mit der Regierung in Damaskus auf einen Art Nicht-Angriffspakt verständigt hatten.

WIE STARK SIND DIE VOLKSVERTEIDIGUNGSEINHEITEN?

Offizielle Zahlen zu den YPG-Kämpfern gibt es nicht, doch schätzt die Expertengruppe International Crisis Group (ICG) ihre Zahl auf 25.000 bis 30.000. Demnach erhalten die Kämpfer, darunter auch zahlreiche Frauen, eine dreimonatige Ausbildung in einem von neun Trainingslagern und bekommen ein Monatsgehalt von umgerechnet rund 120 Euro. Das Oberkommando in den drei Kurden-Kantonen Afrin, Kobane und Cizere haben die jeweiligen „Verteidigungsminister“. Die YPG haben vor allem leichte Waffen, doch haben sie auch einige Panzer und Geschütze von der Armee und anderen Gruppen erobert.

WER UNTERSTÜTZT DIE VOLKSVERTEIDIGUNGSEINHEITEN?

Laut Experten unterhalten die PYD und die YPG enge Verbindungen zur türkischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und werden von ihr auch mitfinanziert. Die Türkei ebenso wie Experte van Wilgenburg betrachten die YPG als den „bewaffneten Arm der PKK in Syrien“. Laut der International Crisis Group wurden die führenden YPG-Kommandeure in PKK-Lagern ausgebildet. Die YPG-Miliz bestreitet jedoch, mit der PKK verbunden zu sein, die in der Türkei sowie in der EU und den USA als Terrorgruppe verboten ist. Sie erkennt aber an, dass es eine ideologische Nähe zur PKK gibt.

WIE IST IHR VERHÄLTNIS ZU ANDEREN AKTEUREN IN SYRIEN?

Das Verhältnis der YPG zur syrischen Opposition ist gespannt. Diese wirft den Kurden vor, im Juli 2012 mit der Regierung in Damaskus ein Abkommen geschlossen zu haben, das im Gegenzug für die Neutralität der Kurden im Bürgerkrieg den Rückzug der Regierungstruppen aus den Kurdengebieten vorsehe. Tatsächlich haben sich die YPG kaum am Kampf gegen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad beteiligt und sich auf die Konsolidierung und Verteidigung ihrer Gebiete gegen andere Gruppen wie die IS-Jihadisten konzentriert.

WIE STEHT DIE TÜRKEI ZU DEN VOLKSVERTEIDIGUNGSEINHEITEN?

Die Regierung in Ankara sieht die Bestrebungen der PYD und ihres bewaffneten Arms zur Gründung eines Quasi-Staats an ihrer Südgrenze mit großer Sorge. Sie fürchtet, dass dies die PKK ermutigt, in der Türkei ihren Kampf für einen eigenen Kurdenstaat wiederaufzunehmen. Trotz internationaler Appelle hat die Türkei bisher nicht in den Kampf um Kobane eingegriffen. Ankara strebt die Schaffung einer Pufferzone in Nordsyrien an, doch dafür gibt es international ebenso wenig Rückhalt wie für die von Ankara geforderte Intervention zum Sturz Assads.




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