Letztes Update am So, 12.10.2014 08:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Farin Urlaub: „Die Idioten gibt es wirklich“



Wien/Berlin (APA) - Wie auf allen Solo-Platten von Farin Urlaub gehen die Texte auf „Faszination Weltraum“ (Universal), der neuen Platte mit dem Racing Team, in die Breite. U.a. beschäftigt sich der Berliner mit Architekturkritik. „Wohl nicht das erste Thema, mit dem sich Punks auseinandersetzen“, lachte der 50-Jährige im APA-Interview. Urlaub kommentierte im APA-Gespräch ausgewählte neue Songs:

„Dynamit“ (mit der Textzeile: „Dynamit - Architekturkritik, die man tatsächlich sieht“):

„Es gibt den großen Unterschied - weltweit, egal in welcher Kultur - zwischen natürlich gewachsenen Städten und Städten, die man auf eine Freifläche hingestellt hat, bei denen sich Leute gedacht haben: ‚So machen wir das jetzt!‘ Und da geht‘s dann in erster Linie darum, dass die Infrastruktur reibungslos läuft, der Mensch ist der Nachgedanke. Nach dem Motto: ‚Wenn du dich hinsetzen willst, dann zahl halt was für den Kaffee!‘ Das gefällt mir nicht. Der Mensch sollte immer im Mittelpunkt stehen, besonders in der Innenstadt. Ich fürchte, das ist ein verlorener Kampf, aber ich wollte ihn trotzdem vom Zaun brechen.“

„Herz? Verloren“:

„Schöne Reime! (lacht laut) Ich war so happy, als ich das Wort ‚polyamourös‘ zum ersten Mal gelesen und gedacht habe, das reimt sich auch noch auf ‚sei mir nicht bös‘. Schon gewonnen!“

„iDisco:

„Das steht für Idiotendisco. Das kleine i ist halt... (lacht) In unserer Wahrnehmung sind immer die anderen die Doofen. Egal, ob du im Verkehr steckst oder im Büro sitzt, du hörst anderen zu und denkst: ‚So ein hirnverbrannter Schwachsinn!‘ Den Spruch ‚Umzingelt von Idioten‘ fand ich schon als Kind superschön. Am Anfang weißt du noch gar nicht, wo der Song hingeht. Du hörst ‚Sie sind schon überall‘ und denkst: ‚Noch ein Zombiesong...‘ Nein, die sind schlimmer als die Zombies! Weil: Die Idioten gibt es wirklich!“

„Keine Angst“:

„Der Song handelt nicht von mir. Wenn ich reise, habe ich in einigen Gegenden Angst und Respekt. Wenn ich die nicht hätte, wäre ich vermutlich schon tot. Ich mag die Intensität dieses Liedes. Das haben Die Ärzte und das Farin Urlaub Racing Team so noch nicht gehabt: eine Intensität, die immer mehr wird - und dann ist das Lied zu Ende; kein Spannungsbogen, sondern nur ein Pfeil. Ich hatte total Lust drauf, so ein jagendes Stück zu machen.“

„Fan“:

„Das hat sich selbst geschrieben. Ich habe mir als Fan von anderen Musikern schon öfter gedacht: ‚Mensch, du kannst es doch, warum machst du jetzt so was?‘ Und dann ertappe ich mich dabei, dass meine Fans so was auch über mich sagen könnten.“

„Sommer“:

„Eigentlich lautet die Botschaft: ‚Komm, alles wird gut, mach dir keine Sorgen.‘ Aber man hat das Gefühl, dass im Hintergrund der Hurrikan naht, dass irgendwas an dem Bild nicht stimmt. Ich wusste selbst nicht, wo der Text hin will. Das ist das Schöne, dass man sich als Kreativer selbst überraschen kann.“

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA.)




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