Letztes Update am Do, 23.10.2014 00:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Palästinensischer Botschafter Abdel-Shafi: Ein-Staat-Lösung am besten



Gaza/Ramallah (APA) - Der palästinensische Botschafter in Wien, Salah Abdel-Shafi, sieht im Nahost-Konflikt mit Israel die Ein-Staat-Lösung als die beste an. „Die Ein-Staat-Lösung, ein demokratischer Staat, in dem alle gleichberechtigt leben, ist die beste Lösung – keine Frage. Leider sieht die Realpolitik anders aus“, erklärte er am Mittwochabend in Wien.

In seinem Vortrag im Afro-Asiatischen-Institut erläuterte Abdel-Shafi, wieso Palästina einzig die Möglichkeit habe, weiterhin an der Zwei-Staaten-Lösung festzuhalten, obwohl diese kaum mehr vorstellbar sei: Im Gegensatz zur Ein-Staat-Lösung beruhe sie auf internationaler Legitimität und UNO-Beschlüssen. Mit dem Festhalten daran wolle Palästina die Welt dazu bringen, zu sehen, dass Israel die Schuld am Scheitern der Zwei-Staaten-Lösung trage. Die internationale Bewegung der Solidarität mit Palästina sei von enormer Bedeutung und solle auch in Sanktionen ausgedrückt werden. Das Mindeste sei der Boykott aller Siedlungsprodukte, denn die israelischen Siedlungen seien völkerrechtswidrig und illegal. „Ich bin überzeugt, dass sich die Besatzung nicht von selbst auflösen wird, sondern erst endet, wenn die Besatzer zur Überzeugung gelangen, dass die Besatzung aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nicht mehr aufrecht erhalten werden kann“, erklärte Abdel-Shafi.

Der Nahe Osten stehe vor einer neuen Epoche, die Staaten würden in religiös dominierte zerfallen. Diese Entwicklung habe zur Folge, dass alle Staaten, wie der Irak, Syrien oder Libyen, die eine potenzielle Bedrohung für Israel dargestellt hatten, nicht mehr existieren. Deshalb habe sich Israel noch nie so sicher gefühlt wie jetzt. Diese Lage habe der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ausgenützt, so Abdel-Shafi.

Es sei jedoch nicht die Absicht Netanyahus, die Palästinenser-Organisation Hamas zu vernichten. Israel gehe nach demselben Prinzip vor, wie die USA gegenüber der ISIS (IS): „Beide verfolgen eine Politik des Rasenmähens. Das heißt, es geht den Amerikanern nicht darum, ISIS zu vernichten, sondern in Stücke zu reißen. Sie sollen sich nicht ausweiten“, sagte Abdel-Shafi. Darüber hinaus greife Israel gezielt die Zivilbevölkerung an, damit diese sich gegen die Hamas wende. Das Ergebnis sei eine „humanitäre Tragödie“: „Gaza ist fast unbewohnbar.“




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