Letztes Update am Do, 23.10.2014 16:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kroatien - Veteranenprotest wirft Schatten auf Präsidentschaftswahl



Zagreb (APA) - In Kroatien protestieren Veteranen aus dem Kroatien-Krieg (1991-95) seit Wochenbeginn vor dem Veteranenministerium in Zagreb und fordern den Rücktritt von Minister Predrag Matic. Einen spezifischen Grund dafür haben sie nicht, jedoch einen Anlass. Matics Assistent habe die kroatischen Veteranen mit den serbischen Soldaten gleichgesetzt, lautet der Vorwurf. Jetzt mischte sich der Premier ein.

Ministerpräsident Zoran Milanovic vermutet einen politischen Hintergrund, der mit den Präsidentschaftswahlen in zwei Monaten zusammenhängt. „Kein Veteranenrecht wurde in zwei Jahren und acht Monaten eingeschränkt (bisherige Regierungsdauer, Anm.) und wird es auch nicht. Wer eine politische Abrechnung will, der soll sie haben. Aber ohne Gewalt“, sagte Milanovic in der Regierungssitzung am Donnerstag. Den Rücktritt seines Ministers, der selbst im Krieg gekämpft hatte, schloss er aus.

Kroatische Veteranen bzw. Veteranen-Witwen und ihre Kinder genießen in Kroatien zahlreiche Privilegien. Bei den bisherigen Sparmaßnahmen war die Gruppe der Veteranen weitestgehend verschont geblieben. Die mangelnde psychologische und gesundheitliche Betreuung von Veteranen ist aber immer wieder Anlass von Kritik. Gemeinhin wurde angenommen, dass die Suizidraten unter Veteranen höher seien als im Rest der Bevölkerung. Eine Untersuchung des Veteranenministerium bestätigte die Annahme jedoch nicht, unter Veteranen war die Suizidrate sogar niedriger. Als die häufigste Todesursache wurden - ähnlich wie bei den anderen Teilen der Bevölkerung - Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs ausgemacht. Kroatien hat 500.000 Veteranen.

Die Kämpfer wurden in der Vergangenheit oft politisch instrumentalisiert, ihre Spitzenvertreter stehen der oppositionellen Partei Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) nahe. Im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf tritt HDZ-Kandidatin Kolinda Grabar Kitarovic gegen den amtierenden Präsidenten und SDP-Kandidaten Ivo Josipovic an.

Der Anlass für die Proteste liegt bereits drei Wochen zurück. Ein Mitarbeiter von Minister Matic hatte bei einer Diskussionsveranstaltung gesagt, dass man herausfinden müsse, warum kroatische Kriegsveteranen und Zivilpersonen am Posttraumatischen Stresssyndrom leiden, die serbischen jedoch nicht, obwohl die kroatische Seite den Krieg gewonnen hatte. Die empörten Reaktionen folgten erst viel später. Veteranenvertreter behaupten nun, dass die Mitte-Links-Regierung die Rechte der Veteranen einschränken möchte. Matics Assistent wurde vor dem Ministerium in Zagreb, wo sich die Veteranen versammelt hatten, auch tätlich angegriffen.




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