Letztes Update am Do, 13.11.2014 09:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fukushima in Tanz und Bild: Kritik an Atomlobby und -politik



Wien (APA) - Demnächst befassen sich in Wien zwei Kunstprojekte mit der japanischen Atompolitik und der Relativität der Pressefreiheit nach der Katastrophe von Fukushima. Am 18. November eröffnet die Ausstellung „No more Fukushimas“ im Verein 08 in der Josefstadt. Ab 9. Dezember gastiert das in Bleiburg uraufgeführte Tanzprojekt „T“, in dem Kritik am Atomkonzern Tepco geübt wird, im Raum 33 in Favoriten.

„No more Fukushimas“, eine von Marcello Farabegoli im Rahmen der Vienna Art Week kuratierte Ausstellung, zeigt vom 18. bis 23. November im Verein 08 in verschiedenen Medien künstlerische Beiträge zu der Atomkatastrophe. „Ich benutze ungerne Katastrophen als zentrales Thema einer Ausstellung, doch hier geht es um eine wichtige Botschaft“, so der Kulturmanager Farabegoli zur APA. Im Mittelpunkt steht die Holzschnittserie Takashi Ohnos, die anhand von Samurai-Katzen unter anderem den Kampf gegen die radioaktive Bedrohung darstellt. Ohnos Werke sind regelmäßig in Japans größter Tageszeitung „Yomiuri“ zu sehen. Ebenfalls ausgestellt sind Beiträge aus Fotografie, Performance und Film, die den Umgang mit der Atomkatastrophe widerspiegeln sollen. Unter den mitwirkenden Künstlern aus Europa und Japan sind auch die Österreicher Edgar Honetschläger und Erwin Wurm.

Im Zeichen von „No more Fukushimas“ findet am 20. November eine Diskussionsrunde statt, zu der unter anderem auch Ö1-Journalistin und ehemalige Japan-Korrespondentin Judith Brandner eingeladen ist. Brandner hat bereits mehrere Bücher über Japans Atompolitik und Medienlandschaft verfasst, darunter auch „Japan. Außer Kontrolle und in Bewegung“ (2012). Dieses Werk diente auch als Inspiration für das Tanztheater-Projekt „T“.

„T“ wie Tsunami: Das Tanzprojekt von Regisseur Hanspeter Horner und Choreografin Yukie Koji nimmt bewusst zur Rolle der Atomlobby in Japans Medienlandschaft Stellung. In einem erneut durchgespielten Fukushima-Szenario verkörpert Koji auf der Bühne sowohl eine mutige Journalistin im Katastrophengebiet als auch eine Tepco-Sprecherin, die verzweifelt versucht, die Öffentlichkeit selbst im Ausnahmezustand von der Sicherheit der Kraftwerke zu überzeugen. „Es gibt zuwenige kritische Geister in Japan. Muss erst der Schlimmstfall eintreten, bevor umgedacht werden kann?“, meinte Horner gegenüber der APA. Das Stück soll auch vermitteln, wie die breite Masse in Japan von der Atomlobby getäuscht und kritisch über die Situation berichtende Journalisten als „Nestbeschmutzer“ beschimpft werden und um ihren Job bangen müssen.

Zu diesen gehört auch die Reporterin Oshidori Mako, die sich im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ darüber beklagte, wegen ihrer kritischen Berichterstattung auf einer Watchlist der japanischen Regierung zu stehen. Da die Mainstream-Medien für Atomkraft eintreten, müsse sie mit ihren Reportagen aufs Internet ausweichen. Journalisten hatten seit dem Unglück in Fukushima nur wenige Male begrenzten Zugang auf das Gelände der Atomruine.

„T“ wurde am 15. August in Bleiburg uraufgeführt, in der „Kronen Zeitung“ war zu lesen: „Riesenapplaus erntete die japanische Ausnahmetänzerin, die mit expressiver Körperkunst vorführte, wie seit Fukushima Atomlobby und Politik Pressefreiheit unterdrücken und das Volk belügen.“ Das Stück wird vom 9. bis 11. Dezember im Raum 33 im 10. Wiener Gemeindebezirk erstmals in der Bundeshauptstadt zu sehen sein.

Das japanische Kernkraftwerk Fukushima war im März 2011 von einem Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami schwerbeschädigt worden, die Naturkatastrophe kostete mehr als 18.000 Menschen das Leben. In drei Reaktoren kam es zur Kernschmelze, es war der weltweit größte Atomunfall seit Tschernobyl 1986. In der Folge wurden sämtliche Atomreaktoren in Japan heruntergefahren. Vor drei Wochen begann man mit dem Rückbau eines der drei verunglückten Reaktoren.

Seit dem Atomstopp 2011 hat die japanische Regierung ihren Kurs wieder geändert - im Jänner 2014 gab die Regierung dem Atomkonzern Tepco grünes Licht, den Betrieb in bestimmten Atomkraftwerken wieder aufzunehmen. Erst vor Kurzem wurde die Inbetriebnahme zweier Reaktoren in Sendai genehmigt.

(S E R V I C E - Vienna Art Week 2014 - No more Fukushimas, 18.-23. November, Mi-Fr 16.00-19.00 Uhr, Sa-So 12.00-16.00 Uhr; Eröffnung Dienstag, 18. November, 19.00 Uhr; Diskussionsrunde am 20. November, 19.00 Uhr, Verein 08, Piaristengasse 60, 1080 Wien, Eintritt Frei. Tanztheater Projekt „T“ in Koproduktion mit dem Center for Choreography Bleiburg / Pliberk (CCB), Choreografie und Tanz: Yukie Koji, Konzept, Regie und Video: Hanspeter Horner, Bühnenbild: Mesei Koji, zu sehen vom 9. bis 11. Dezember im Raum 33, Laxenburgerstrasse 32, 1100 Wien)




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