Letztes Update am Fr, 28.11.2014 13:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Diabetes-Präventionsprogramme wirken bei Männern und Frauen



Wien/Krems (APA) - Änderungen des Lebensstils und medikamentöse Therapien können die Entstehung von Typ-2-Diabetes bei Personen mit erhöhtem Risikoprofil hinauszögern oder sogar verhindern. Diese Präventionsmaßnahmen sind bei Männern und Frauen gleichermaßen wirksam. Diese bekannte Tatsache haben jetzt Wissenschafter der Donau-Universität Krems und der MedUni Wien in einer Literaturanalyse bestätigt.

Die Metaanalyse ist im Fachjournal „Diabetologia“ online veröffentlicht worden. Es handelt sich um eine Übersichtsarbeit ohne eigene neue klinische Studie. Etwa 340 Millionen Menschen weltweit leiden an Typ-2-Diabetes. Bereits im Vorstadium dieser Erkrankung, dem sogenannten Prädiabetes, ist bei Betroffenen der Zuckerstoffwechsel gestört. Diese Personen sollten wohl entsprechende Präventionsmaßnahmen ergreifen.

„In zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich durch Lebensstiländerungen oder blutzuckersenkende Medikamente das Auftreten von Typ-2-Diabetes bei Personen mit Prädiabetes verzögern oder verhindern lässt“, heißt es in einer Mitteilung der Kremser Universität. Nun hätte man erstmals systematisch die Wirkung solcher Programm bei Männern und Frauen analysiert. Dabei wurden die Daten von zwölf publizierten Studien mit insgesamt mehr als 5.500 Männern und 7.400 Frauen aus zwölf Studien der Jahre 1980 bis 2013 einer neuen Auswertung unterzogen.

Ein Hauptergebnis, auf das in den vergangenen in der wissenschaftlichen Literatur und der gesundheitspolitischen Debatte viele Male hingewiesen worden ist: Verglichen mit einer üblichen Behandlung führten Lebensstilinterventionen mit Ernährungsumstellung und regelmäßiger Bewegung bei Männern und Frauen zu einem um 40 Prozent verringerten Risiko nach einem Jahr an Typ-2-Diabetes zu erkranken; nach drei Jahren war das Risiko um 37 Prozent geringer. Auch Gewichtsverlust und Reduktion der Nüchternblutzuckerwerte waren in dieser Gruppe stärker. Dabei gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Ebenso zeigte sich unter blutzuckersenkenden Medikamenten ein verringertes Auftreten von Typ-2-Diabetes. Auch dabei konnte in Bezug auf den präventiven Effekt keine Geschlechterdifferenz festgestellt werden. „Trotz der Unterschiede zwischen Männern und Frauen, was das Alter zu Beginn der Erkrankung, die Diagnose oder die Krankheitslast betrifft, wird der Erfolg von Präventionsmaßnahmen bei Menschen mit Prädiabetes nicht durch ihr Geschlecht beeinflusst“, wurden die Erstautoren der Studie, Anna Glechner (Donau-Universität Krems) und Jürgen Harreiter (MedUni Wien), zitiert.

Metaanalysen können zu medizinischen Fragen bestehende Meinungen auf eine breitere Datenbasis stellen. Größere Informationsmengen führen auch eher zu statistisch signifikanten Ergebnissen. Andererseits wird an solchen Studien auch immer wieder kritisiert, dass die Auswahl der verwendeten Studien und die Methodik teilweise intransparent sind.




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