Letztes Update am Mo, 08.12.2014 11:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mit Ironie, Pepp und Kaiser - „Im weißen Rössl“ in Salzburg fetzt



Salzburg (APA) - Das Salzburger Landestheater hat ein gutes Händchen für klassische Unterhaltungsstoffe. Nach „La Cage aux Folles“ und „Sound of Music“ steht seit gestern, Sonntagabend, „Im weißen Rössl“ auf dem Spielplan. Und wieder gelingt ein rasantes Feuerwerk der Unterhaltung, in der nicht nur eine „entartete“ Operette präsentiert, sondern ein Österreich-Klischee in augenzwinkerndes Vergnügen verwandelt wird.

Das Landestheater verwendet die erst 2008 wiederentdeckte Originalfassung aus dem Jahr 1930, in der die Dialoge pointierter wirken und das „Nicht alles ganz so Ernstnehmen“ wie eine Steilvorlage für ein fantasievolles Theaterteam funktioniert. Tatsächlich lassen Regisseur Andreas Gergen, Bühnenbildner Stephan Prattes und Kostümschneiderin Regina Schill keine Gelegenheit aus, die Ösi-Operette aus Berliner Blickwinkel auf die Spitze zu treiben. In diesem tosenden Ausstattungs-Spektakel bleibt dem Publikum keine Sekunde zum Nachdenken, und das ist gut so. Denn „Im weißen Rössl“ hat ohnehin nur einen simplen Sinn: Spaß zu machen mit Melodie, Tanz, Gags, schönen, skurrilen und süßen Menschen und mit jeder Menge taufrischer Verliebtheit zum Träumen und Wohlfühlen.

Also bringt man knackige Jungs in weißen Lacklederhosen, Schafe mit zwei netzbestrumpften langen Beinen und das Hinterteil einer überdimensionalen Kuh auf die Bühne, auf der ein verliebter Zahlkellner der Wiener Art (schauspielerlich und musikalisch überzeugend: Sascha Oskar Weis) die Handlung antreibt und viel Verwirrung stiftet. Bevor er aber seine ebenso fesche wie schroff-abweisende „Rössl“-Wirtin (ebenbürtig: Franziska Becker) herumkriegt, verknallen sich Rechtsanwälte (wie immer eine sichere Bank: Simon Schnorr) in Fabrikanten-Töchter (entzückend: Lucy Scherer) und witzige Gigolos (umwerfend: Marco Dott als „schöner Sigismund“) betören lispelnde Mäuschen (adrett und sympathisch: Hanna Kastner). Daneben plappern rührige Gelehrte (Werner Friedl), und permanent verärgerte Piefke (herzhaft und sprachgewandt: Norbert Lamla) poltern durch die Alpenidylle.

Dazwischen landen Touristen mit dem Wolfgangseedampfer, bestellten Beuschl (Be-uschl) und kriegen Paprikahendl (weil es wegmuss). Ein Hai verspeist Badegäste, und Kaiser Franz persönlich (als Puppe geführt von Georg Clementi) gibt den väterlichen Beichtvater für die schöne Wirtin (und nährt die nostalgische Operetten-Sehnsucht nach dem gutmütig-starken Landesherrn). Eine Jodlerin (virtuos: Renata Vaithianathan) schwebt fast geisterhaft durch viele Szenen, und dem „Piccolo“ Lukas Blaukowitsch sowie dem „Geräusche-Erzeuger“ Max Bauer fliegen alle Herzen zu. Die Folklore-Shows des Landestheaterballetts (einziges Element dieses Revuefeuerwerks, das schlampig geprobt wirkt) füllt die Lücken dieses nach der Pause nicht mehr ganz so spritzigen Stücks Österreich, in dem die Figuren dramaturgisch ein wenig ausfransen und Nebenhandlungen zu viel Platz brauchen. Aber der ironisch-witzige Theater-Glamour dieses neuen „Rössls“ und die fetzige Musikbegleitung des Mozarteumorchesters unter Peter Ewaldt überstrahlen die kleinen Hänger, und das herzhafte Johlen und begeisterte Mitklatschen des Publikums lässt keinen Zweifel zu: Hier ist ein überzeigender Quotenbringer gelungen.

(S E R V I C E - „Im weißen Rössl“, Singspiel in drei Teilen von Hans Müller und Eric Charell, frei nach einem Lustspiel Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Musik von Ralph Benatzky mit Einlagen von Bruno Granichstaedten, Robert Gilbert und Robert Stolz. Rekonstruktionsfassung auf Basis der 2008 in Zagreb wieder aufgetauchten Originalversion. Inszenierung: Andreas Gergen, Choreografie: Kim Duddy, Bühne: Stephan Prattes, Kostüme: Regina Schill, Geräusche: Max Bauer. Auf der Bühne: Franziska Becker als Wirtin Josepha Vogelhuber, Sascha Oskar Weis als Kellner Leopold, Norbert Lamla als Giesecke, Lucy Scherer als Tochter Ottilie, Simon Schnorr als Anwalt Siedler, Marco Dott als „schöner“ Sigismund. Werner Friedl als Prof. Hinzelmann, Hanna Kastner als Klärchen. Georg Clementi als Puppenspieler und Kaiser, Lukas Blaukowitsch als Piccolo, Renata Vaithianathan als Jodlerin sowie Viana Hristova, Vesselin Hristov, Rudolf Pscheidl, Beth Jones, Eike Schertz und Sylvia Offermans in kleineren Rollen. Chor, Ballett und Statisterie des Salzburger Landestheater, es musizierte das Mozarteumorchester unter der Leitung von Peter Ewaldt. Die nächsten Termine: 9., 12., 14., 20., 22., 26. und 27. Dezember. 0662 / 87 15 12-0.)

(B I L D A V I S O - Druckfähige Bilder unter http://www.salzburger-landestheater/Presse/Fotos/Galerie: Im weißen Rössl.)




Kommentieren