Letztes Update am Fr, 09.01.2015 16:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


E-Control-Vorstand Boltz rechnet mit sinkenden Großhandels-Gaspreisen



Wien (APA) - Mit sinkenden Großhandelsgaspreisen rechnet E-Control-Vorstand Walter Boltz. Grund dafür sind neben den niedrigen Ölpreisen auch volle Speicher. Der warme Winter führt zu geringerem Gasverbrauch und niedrigeren Heizkosten. Für Haushalte lohnt sich ein Wechsel des Energielieferanten.

Der heimische Gasverbrauch dürfte 2014 wegen des milden Winters noch einmal geringer ausgefallen sein als 2013. Der Rückgang dürfte 3 bis 5 Prozent betragen, so Boltz am Freitag zur APA. Die Heizkosten würden in diesem Winter durchschnittlich sicher niedriger ausfallen.

Die Gaslieferverträge sind immer weniger stark direkt an den Ölpreis gebunden. In Europa dürften aktuell rund 35 Prozent der Verträge ölpreisinduziert sein, schätzt Boltz. In Österreich dürften es derzeit weniger als 50 Prozent und bis Herbst dann 20 bis 25 Prozent sein. Die Gaspreise bei solchen Verträgen reagieren mit einigen Monaten Verzögerung auf Ölpreisänderungen. Etwas kompensiert würden die niedrigen Ölpreise durch den aktuellen Kursrückgang des Euro gegenüber dem Dollar.

Durch den geringeren Verbrauch seien niedrigere Großhandelspreise zu erwarten. Auf die Preise auswirken könnten sich auch die gut gefüllten Gasspeicher. Sollte keine massive Kältewelle mehr anstehen, könnte nach dem Ende des Winters ein Teil des eingespeicherten Gases auf den Markt kommen.

Grundsätzlich sei nicht auszuschließen, dass in Europa Gas so billig werde, dass es wieder zur Stromerzeugung verwendet werden könne, allerdings nicht in Deutschland und Österreich. Die Russland-Gaslieferungen seien nach wie vor etwas niedriger, angesichts der geringen Nachfrage sei dies aber kein Problem.

Für die österreichischen Haushaltskunden lohne sich ein Wechsel, betont Boltz. Die niedrigeren Gaspreise seien bei Haushalten und Kleingewerbe noch nicht angekommen. Viele große Anbieter hätten relativ teuer eingekauft und hätten mit den Haushalten eine Kundengruppe die nicht besonders preissensibel sei. Angesichts relativ geringer Wechselraten rechnet der E-Control-Vorstand nicht mit massiven Preissenkungen der großen Versorger.

Wie aus dem aktuellen Energiepreismonitor hervorgeht, liegt in Österreich das Einsparpotenzial beim Wechsel vom Standardanbieter zum günstigsten Gas-Anbieter zwischen 110 Euro (Tirol) und 310 Euro (Linz). Bei Strom liegt die Bandbreite bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh zwischen 87 Euro (Tirol oder Vorarlberg) und 198 Euro (Oberösterreich inklusive Netzgebiet Linz). Wechselt man den Strom- und den Gasanbieter, kann dies in Summe je nach Region zwischen 199 Euro in Tirol und 508 Euro in Linz bringen. In Wien beispielsweise könne die jährliche Gasrechnung mit einem neuen Lieferanten um rund ein Viertel niedriger ausfallen als beim Landesenergieversorger, so Boltz. Laut den aktuellen Werten des Tarifkalkulators der E-Control liege das Sparpotenzial hier gegenüber dem Standardtarif für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden (kWh) bei 266 Euro.

Die Wechselrate bei Gas dürfte laut Boltz im Vorjahr rund 4 Prozent betragen haben und damit höher gewesen sein als beim Strom mit rund 3 Prozent. Ein Wechsel gehe problemlos. Man solle sich aber seinen Tarif angesichts hoher Einmalrabatte vieler Anbieter einmal im Jahr anschauen.

Boltz rechnet für die kommenden zwei Jahre mit weiterhin günstigen Ölpreisen. Fossile Energieträger würden dadurch generell billiger, denn wenn ein Energieträger billiger werde, gebe es einen Preisdruck auf andere. Wenn die Basispreise für fossile Energieträger sinken, steige der Subventionsbedarf für erneuerbare Energieträger, skizziert Boltz mittelfristige Trends.

~ WEB http://www.e-control.at ~ APA471 2015-01-09/16:20




Kommentieren