Letztes Update am Di, 20.01.2015 13:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tschechien: Diplomaten beschweren sich über „wachsende Islamophobie“



Prag (APA) - Eine Gruppe von Diplomaten aus muslimischen Ländern in Prag hat sich über „wachsende Islamophobie“ in Tschechien beschwert. Sie taten dies in einer Erklärung, in der sie auf die Reaktionen einiger tschechischer Politiker auf die Attentate in Paris hinwiesen.

Die Signatare brachten ihre „tiefe Beunruhigung über die Vermischung von Islam mit Terrorismus und die steigende Tendenz zur Islamophobie in der Tschechischen Republik“ zum Ausdruck. Es sei nötig, an einer besseren Verständigung zwischen den Religionen und Kulturen in Tschechien zu arbeiten.

„Es ist die höchste Zeit, unsere kollektive Pflicht zu erfüllen und die negative Stereotypisierung und Stigmatisierung von Islam, wachsende Islamophobie, Schändung des Islam (...) sowie den steigenden Trend zu Intoleranz und Hetze gegen Muslime zu stoppen“, steht weiter in dem von 20 Diplomaten unterzeichneten Papier.

Das Dokument unterzeichneten die Botschafter von Afghanistan, Algerien, Aserbaidschan, Kuwait, Libyen, Malaysia, Marokko, Nigeria, Pakistan, Palästina, Saudi-Arabien, Tunesien und der Türkei sowie Diplomaten von niedrigerem Rang aus Ägypten, Indonesien, dem Irak, dem Iran, Kasachstan, dem Libanon und dem Jemen unterzeichnet.

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Mehrere tschechische Politiker hatten in der vergangenen Woche an einer Demonstration vor der Prager Burg gegen die „Islamisierung“ Tschechiens teilgenommen. Die Veranstalter des Protests forderten die Annahme von Gesetzen, die die „Islamisierung“ des Landes verhindern würden.

Namentlich wird in der Erklärung der Diplomaten der Chef der populistischen Bewegung „Tagesanbruch der direkten Demokratie“, Tomio Okamura, genannt.

Okamura hatte noch vor den Attentaten in Paris auf seiner Facebook-Seite einen Text veröffentlicht, in dem er den Tschechen rät, wie sie sich gegen eine Islamisierung schützen sollten. „Man könnte Hunde und Schweinchen als Haustiere züchten und mit ihnen Spaziergänge in der Umgebung ihrer (von den Muslimen, Anm.) Zentren, Moscheen und beliebten Picknickplätze unternehmen“, hieß es in dem Text, den Okamura unterdessen gelöscht hat.




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