Letztes Update am Fr, 13.03.2015 16:57

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Leipziger Buchmesse: Religiöse Toleranz lernen aus der Vergangenheit



Leipzig (APA) - „In Tagen, da die Angst vor Muslimen größer wird, ist es gut sich auch daran zu erinnern“, sagte heute, Freitag, die bosnische Lyrikerin Adisa Basic auf der Leipziger Buchmesse. Konkret sprach sie das Zusammenleben der Religionen in ihrer Heimat in der Vergangenheit an. Ähnliches berichtete der albanische Schriftsteller Arian Leka aus seiner Heimat.

1967, als er ein Jahr alt war, seien alle Religionseinrichtungen in Albanien geschlossen worden. „Der reale Atheismus fing mit den Namen an, die man den Kindern gab“, erinnerte sich Leka. „Der Staat erfand neue, illyrische Namen.“ Dennoch habe sich ein „Krypto-Glaube“ im Kommunismus erhalten. Alljährlich seien die muslimischen Feste Ramadan und Bayram gefeiert worden. „Die Menschen haben das heimlich gemacht. Die Gläubigen waren in einem Kriegszustand mit dem Staat, um ihren Glauben zu verteidigen.“

Einer der Verdienste in der gemeinsamen Geschichte seines multireligiösen Landes sei es gewesen, „den anderen nicht nur zu tolerieren, sondern anzuerkennen“, sagte der albanische Schriftsteller und nannte das Beispiel einer islamischen Gemeinschaft, die nach der Wende Geld und Grundstücke für einen Kirchenbau gegeben habe. „Das war sehr ehrlich gemeint und soll nicht als Anbiederung gesehen werden“, so Leka. Auch gebe es einen Pilgerberg der Derwische, zu dem einmal im Jahr „ganz Albanien“ gehe. „Ich stelle die Frage: Was ist ihr gemeinsamer Gott? Warum bringen sie dasselbe Opfer des langen Weges?“

In Bosnien-Herzegowina war es laut Adisa Basic nicht viel anders: „Fasten hätte man nicht öffentlich getan, aber man rauchte, aß und trank nicht als Andersgläubiger im Ramadan aus Solidarität“, sagte sie. „Man machte alles irgendwie zusammen, und man machte es sehr sensibel. Wenn man zu den orthodoxen Nachbarn Weihnachten feiern ging, bekam man natürlich kein Schweinefleisch.“ Heute sei die Religion wieder wichtig geworden und präsent im Alltag, sagte die Lyrikerin. „Aber meiner Meinung nach zu präsent. Ich kann nicht sagen, ob die Menschen gläubiger geworden sind.“ Anhand dieser Ausführungen zeige sich, so der Moderator des Gesprächs auf der Messe zum Abschluss: „Der Islam ist viel bunter, der Balkan ist viel bunter“, als man es heute vermute.




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