Letztes Update am Do, 23.04.2015 13:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Befreites Kobane braucht dringend Hilfe zum Wiederaufbau



Wien (APA) - Das nach fünfmonatigen Kämpfen befeite Kobane im syrischen Kurdengebiet braucht dringend Hilfe zum Wiederaufbau. Bis zu 80 Prozent der Stadt seien zerstört, es gebe kein Trinkwasser, keine ordentlichen Spitäler und die sanitären Verhältnisse seien katastrophal, erklärte der „Außenminister“ des Kantons Kobane, Idriss Nassan, am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Die Kurden hätten zusammen mit der internationalen Allianz gegen die islamistische Terrormiliz IS diese zurückgedrängt. Nun rufe er die demokratischen Staaten auf, beim Wiederaufbau Kobanes zu helfen, sagte Nassan, der auf Einladung österreichischer Parlamentarier zu einem Gegenbesuch nach Wien gekommen war.

Angesichts der Tragödie im türkisch-syrischen Grenzgebiet hatten sich SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder, die Grünen-Abgeordnete Berivan Aslan, ÖVP-Menschenrechtssprecherin Elisabeth Pfurtscheller und Nikolaus Kunrath von den Wiener Grünen Ende Oktober zu einem Solidaritätsbesuch in der Region aufgehalten.

Nassan betonte, die autonome Verwaltung in den in Kantone gegliederten syrischen Kurdengebieten (Rojava) sei basisdemokratisch organisiert. Sie sei nicht nach ethnischen oder religiösen Gesichtspunkten ausgerichtet. Deshalb sei sie zum Angriffsziel islamistischer Terroristen geworden, die am 15. September Kobane angegriffen hätten. Zudem hätte der IS 400 Dörfer des Kantons unter seine Kontrolle gebracht.

Mittlerweile seien Kobane und der Großteil der Dörfer befreit, etwa 60.000 Zivilisten seien in die Stadt zurückgekehrt, doch die Bedrohung bestehe weiter. Zudem gebe es Probleme bei der Versorgung mit wichtigen Gütern, da die Türkei den einzigen Grenzübergang blockiere. Er würde nur je nach „Laune“ geöffnet, abhängig vom wechselnden Verhältnis Ankaras zu den Kurden, sagte Nassan.

Schieder, Pfurtscheller und Aslan betonten ihre Solidarität mit Kobane und riefen zur Unterstützung auf. Aslan wies darauf hin, dass weiterhin Sprengsätze den Wiederaufbau Kobanes behinderten. Durch europäische Expertise müsse die Stadt sicher gemacht werden. Außerdem erinnerte die kurdischstämmige Abgeordnete daran, dass Österreich als einziges Land einen Beschluss gefasst habe, von der Türkei die Öffnung des Grenzkorridors nach Kobane zu fordern.

Pfurtscheller meinte unter Hinweis auf die aktuelle Flüchtlingskrise im Mittelmeer, der Wiederaufbau Kobanes wäre ein Beitrag, die 200.000 Menschen, die von dort geflüchtet seien, wieder in ihre Heimat zurückzubringen, wohin sie ja auch wollten.




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