Letztes Update am Fr, 01.05.2015 16:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Enorme Sicherheitsmaßnahmen zum Jahrestag des 2. Mai in Odessa



Odessa (APA) - Mit einem Großaufgebot an Sicherheitskräften wollen die ukrainischen Behörden genau ein Jahr nach blutigen Straßenschlachten und einer Brandkatastrophe mit Dutzenden Toten insbesondere Terroranschläge in Odessa und eine „Destabilisierung“ der Lage verhindern. Gleichzeitig läuft in der Stadt nach Angaben des Geheimdienstes SBU eine Spezialoperation gegen Separatismus- und Terrorismusverdächtige.

Bereits in den Morgenstunden des 1. Mai hatte die Polizei vor dem Gewerkschaftshaus am Kulykowe Pole, in und an dem vor einem Jahr zumindest 42 pro-russische Aktivisten zu Tode gekommen waren, mehr als tausend Ordnungshüter und zahlreiche Fahrzeuge zu einer Lagebesprechung aufmarschieren lassen. Während Bekannte von Opfern einen improvisierten Denkmalkomplex dort in Ordnung brachten, begann die Polizei am Nachmittag schließlich mit einer weiträumigen Absperrung des Gewerkschaftshauses.

Gegenüber der APA sprachen Polizisten von der Notwendigkeit, das Areal unweit des Bahnhofs auf Bomben zu durchsuchen. In den vergangenen Wochen hatte es in Odessa wiederholt Sprengstoffanschläge gegeben, die jedoch - etwa im Unterschied zum ostukrainischen Charkiw - bisher keine Todesopfer gefordert haben.

Abgesehen von einer sichtlichen Massenpräsenz von Polizisten war in anderen Stadtteilen Odessa am Freitag nur wenig von dieser Gefahrenlage zu bemerken. Bei frühsommerlichen Temperaturen flanierten am Maifeiertag, wie üblich, große Menschenmengen durch die Innenstadt der Schwarzmeermetropole.

Am Samstag sollen nach Behördenangaben mehr als 4.000 Polizisten, Einheiten der Nationalgarde und auch Sondereinsatzkommandos des SBU für Sicherheit in der Stadt sorgen. „Radikal gestimmte Gruppen arbeiten an Plänen, die Situation in der Stadt während der Gedenkveranstaltungen für die Opfer der vorjährigen Tragödie sowie des Zweiten Weltkrieges zu destabilisieren“, hieß es in einer Presseaussendung des SBU.

Nach Angaben des Lokalmediums „Dumskaja“ hielten sich mehr als die Hälfte aller landesweiten Mitarbeiter der für Terrorbekämpfung verantwortlichen Geheimdienstabteilung in der Stadt auf. Von einer laufenden Spezialoperation in der Stadt und insgesamt 19 Hausdurchsuchungen schrieb am Freitag auch SBU-Sprecher Markijan Lubkiwskyj. Die Behörden hätten auch ein großes Waffenarsenal mit Maschinengewehren und auch Granaten beschlagnahmt.

Der 2. Mai 2014 mit zumindest 48 Todesopfern und 250 Verletzen gilt bereits jetzt als einschneidendes Ereignis der Geschichte des mehrheitlich russischsprachigen Odessa. An jenem Tag lieferten sich zunächst pro-russische und pro-ukrainische Aktivisten Straßenschlachten im Stadtzentrum, die sechs Menschenleben kosteten. Anschließend flüchteten sich in den Abendstunden Vertreter der pro-russischen Fraktion in das Gewerkschaftshaus am Kulykowe Pole. Infolge eines Brandes kamen schließlich im Haus sowie bei Notsprüngen mehr als 40 Aktivisten zu Tode.

Die rechtsstaatliche Aufarbeitung dieser Vorfälle lief im vergangenen Jahr eher schleppend, Gerichtsurteile liegen bisher keine vor. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft führt 22 Personen als Verdächtige, 11 davon befinden sich in Untersuchungshaft. Nach weiteren 13 Beteiligten, so erklärte kürzlich der stellvertretende Generalstaatsanwalt Wolodymyr Husyr, werde weiterhin gefahndet.




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