Letztes Update am Mo, 16.01.2012 10:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Occupy Innsbruck“: Besetzung geht in den Park

Montagmittag ist „Occupy Innsbruck“ vom Bozner Platz in den Waltherpark übersiedelt. Die neu aufgeschlagenen Zelte will man noch lange nicht abbrechen.

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Innsbruck – Das ist „Occupy New York!“, sagt eine Passantin in der Museumstraße, die sich nicht im geringsten darüber zu wundern scheint, dass gerade eine kleine Zeltstadt an ihr vorbeigetragen wird. „Nein, das ist Occupy Innsbruck“, bessert ihre Begleitung aus. Tatsächlich ist das Schild mit entsprechender Aufschrift kaum zu übersehen. „Wir sind die 99 Prozent“, ist ebenfalls zu lesen, was angesichts der überschaubaren Größe der Gruppe manchen Fußgänger zum Lächeln bringt. Doch auch Zustimmung ist zu hören: „Ich finde es gut, dass sich die jungen Leute über die Banken Gedanken machen“, sagt ein älterer Herr, der mit seinem Fahrrad eine kurze Pause „zum Schauen“ eingelegt hat.

Nach zehn Tagen Bozner-Platz übersiedelt die rund 25-köpfige „Occupy Innsbruck“-Gruppe in den Waltherpark, die Stadt und die Polizei haben dort die weitere „Besetzung“ bis Freitag bewilligt. Wenn auch manche Gruppenmitglieder fürchten, nun ein bisschen weniger sichtbar zu sein, so will man doch mit Aktionen in der Innenstadt weiterhin im Innsbrucker Straßenbild präsent sein. Und der Waltherpark hat gegenüber dem Bozner Platz einen um diese Jahreszeit nicht zu überbietenden Vorteil: „Sonne von früh bis spät“, schwärmt der Robert Aichner von "Occupy Innsbruck" nach Tagen im Schattendasein am Bozner Platz.

Die Nächte im Zeltlager seien bislang aber nur „halb so schlimm gewesen“, versichert er: „Mit einem guten Schlafsack ist das im windgeschützten Zelt kein Problem“. Und „die spontane Unterstützung interessierter Bürger gibt uns viel Wärme“, fügt ein weiterer Besetzer hinzu.

Die Reaktionen der Tiroler seien bislang hauptsächlich positiv ausgefallen, so Georg Pleger, Sprecher der Gruppe. Bei den abendlichen Vollversammlungen seien im Schnitt 25 Personen dabei, übernachten würden immerhin 10 bis 15 Personen.

Kein Gedanke daran Zelte abzubrechen

In Anlehnung an die Proteste in New York ist das Thema soziale Gerechtigkeit der kleinste gemeinsame Nenner der Gruppe. „Die herrschenden Zustände sind einfach nicht mehr tragbar“, sagt etwa Michel Keckeis, der das Thema bedingungsloses Grundeinkommen in die „Occupy Innsbruck“-Bewegung miteingebracht hat. „Egal ob arm oder reich, die Menschen haben extreme Existenzängste, weil durch die Finanzkrise von heute auf morgen der Job weg sein kann“, so Keckeis von der Gruppe „Runder Tisch - Grundeinkommen“.

Das zentrale Thema „Reform des Geldsystems“ eint die unterschiedlichen Gruppierungen, aus denen sich „Occupy Innsbruck“ zusammensetzt. „Wir konzentrieren uns hier in Innsbruck auf insgesamt vier Themen“, so Georg Pleger, Occupy-Innsbruck-Sprecher. Neben Geldreform und bedingungslosem Grundeinkommen stehen eine Demokratie- und Bildungsreform am Programm der Initiativerklärung. (Info auch unter www.monetative.org). „Occupy Innsbruck“ sucht den Dialog mit Verantwortlichen: „Verschiedene Innsbrucker Einrichtungen sind am Donnerstag und Freitag eingeladen, an diesem Dialog teilzunehmen“, so Pleger.

Bevor die Gruppe mit Zelten quer durch die Stadt vom Bozner Platz zum Waltherpark marschierte, wurde auch noch ein Brief mit entsprechender Einladung in der Innsbrucker Filiale der Nationalbank abgegeben.

Während die Occupy-Bewegung sich österreichweit bislang auf ein paar Demonstrationen beschränkte, will man in der „Widerstandshochburg“ Tirol den Protest auch weiterhin aufrechterhalten. „Ich bleibe, bis sich was verändert“, sagt etwa einer der Besetzer, wenn auch nicht jeder in der Gruppe dieser Ansicht sei.

„Die Bewilligung hier geht bis Freitag, die mittelfristigen Pläne gehen bis zum Wirtschaftsforum in Davos“, führt Pleger aus. In der Zwischenzeit werde der Dialog mit der Politik gesucht.

(sire)




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