Letztes Update am Mi, 15.02.2012 06:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bei Feinstaub schrillen Alarmglocken

Zehn Tage in Folge wurden in Innsbruck die Grenzwerte für schlechte Luft überschritten. Auch an anderen Messstellen in Tirol wird die Luft immer öfter immer dünner. Schuld daran ist die aktuelle Wetterlage.



Von M. Christler und M. Witting

Innsbruck – Die eigene Nase täuscht nicht. Jeden Morgen, beim ersten Schritt vor die Haustür, riecht es streng. Das erste Einatmen schmerzt fast schon. Ja, es liegt etwas in der Luft – Feinstaub. Die winzigen Staubkörner, verursacht durch Autoabgase, Heizöfen und Industrieanlagen, sind einzeln mit freiem Auge nicht zu erkennen, aber sie legen sich zusammen als Dunstglocke über die Stadt.

Zehn Tagen hintereinander wurden in Innsbruck mittlerweile bei der Messstation Andechsstraße die Grenzwerte überschritten; in den vergangenen zwei Tagen fast um das Doppelte des Tagesmittel-Grenzwertes von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Ursache liegt auf der Hand, erklärt Andreas Weber, Fachbereichsleiter Luftgüte des Landes: „Mit der kalten Jahreszeit sind auch die Belastungen gestiegen“, sagt Weber. Derzeit werde logischerweise mehr geheizt, was die Feinstaubwerte zusätzlich nach oben treibt. Dazu kommen noch weitere Faktoren: Fehlender Wind und eine stabile Inversionswetterlage, wodurch der Austausch der Luft, dem Träger der Schadstoffe, stark eingeschränkt ist.

Laut Weber täuscht der subjektive Eindruck nicht: „Man riecht es auch am Nachmittag sehr deutlich, diesen typischen beißenden Festbrennstoffgeruch.“ Zehn Tage hintereinander solche Werte seien aber noch nicht besorgniserregend.

Mit dem gestrigen Tag wurde in Innsbruck der Grenzwert schon an 15 Tagen überschritten – erlaubt sind pro Jahr 25 Überschreitungen.

Auch bei den Messstationen in Brixlegg (14 Tage) sowie Hall (13 Tage) ist die Feinstaubbelastung heuer bereits in den ersten eineinhalb Monaten deutlich zu hoch.

Die Stadt Graz hat bereits mit dem gestrigen Tag die Jahresgrenzwerte überschritten. Probleme gibt es auch in Linz oder Wien. Ideen, um die dicke Luft zu beseitigen, gibt es indes genug. Die Umsetzung ist in den einzelnen Städten aber durchwegs unterschiedlich. In Oberösterreich wurde über höhere Parkgebühren diskutiert. Zuletzt gab es einen Aufruf, freiwillig auf das Auto zu verzichten. In Graz dürfen seit dem Wochenende keine Zweitheizungen mehr verwendet werden. Betroffen sind dabei vor allem so genannte Schwedenöfen. Kachelöfen sind vom Verbot ausgenommen. Wer sich an dieses Verbot in der Steiermark nicht hält, riskiert eine Strafe von bis zu 20.000 Euro.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) forderte bereits in der Vergangenheit die Einführung von Umweltzonen – auch für Innsbruck. Ähnlich wie in Deutschland sollen dabei die Fahrzeuge je nach Schadstoffklasse mit Aufklebern nach dem Ampelsystem gekennzeichnet werden.

Grüne Aufkleber haben etwa alle Diesel-Pkw mit Partikelfilter, die mindestens die Standards der Abgasnorm Euro 3 erfüllen. Ältere Fahrzeuge mit gelbem Pickerl dürfen dann bei Überschreitung der Messwerte nicht fahren. Wer beispielsweise in seinem Diesel-Pkw keinen Partikelfilter hat, darf nicht in das Stadtgebiet hinein. Die Einführung und Wirkung der Umweltzone ist in Deutschland durchaus umstritten. Bei den nördlichen Nachbarn gibt es mittlerweile bereits in 56 Städten eine Umweltzone.




Kommentieren