Letztes Update am Mi, 07.03.2012 19:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


RH-Kritik an Flugrettung: Zu viele Hubschrauber in Tirol

Der Rechnungshof ist für die Neugestaltung der Flugrettung und übt Kritik an fehlender Reformbereitschaft.

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Innsbruck/Wien – Es ist sicher beruhigend zu wissen, dass bei einer schweren Erkrankung oder einem Unfall der Weg ins Spital per Rettungshubschrauber zurückgelegt werden kann. Die Quittung führt aber möglicherweise zu einem bösen Erwachen: Rechnungen von bis zu 7.000 Euro könnten für den Patienten gravierende bis existenzgefährdende finanzielle Belastungen zur Folge haben, wie der Rechnungshof (RH) in seinem am Mittwoch veröffentlichen Bericht erklärte, in dem es um die Flugrettung mit Schwerpunkten in Salzburg und Tirol geht.

Die Verrechnung derartiger Einsätze erfolgte nämlich unterschiedlich, konstatierte der RH bei seiner von März bis Mai 2011 durchgeführten Überprüfung: Wurde der Einsatz durch ein vom Land gefördertes Unternehmen durchgeführt, erhielt der Patient, ausgenommen bei alpinen Sport- und Freizeitunfällen, keine Rechnung. Gefördert waren fünf von den 19 Hubschraubern in Tirol und Salzburg. Der Patient konnte weder die Art des Rettungsmittels noch die Auswahl des Flugrettungsunternehmens beeinflussen, rügte der Rechnungshof.

Überhaupt besteht ein ziemliches Wirrwarr: „Die gleichzeitige Relevanz von bundes- und landesgesetzlichen Bestimmungen für das Flugrettungswesen, aber vor allem die bei den Ländern bestehende Gesetzgebungs- und Vollziehungskompetenz erschwerte die Entwicklung eines österreichweit einheitlichen Rettungswesens wesentlich“, so der RH, der auch einen Reformwillen vermisst. „Die länderweise Gestaltung der Flugrettung war weder aus der Sicht des Transportierten noch im Licht des länderübergreifenden Einsatzes von Hubschrauber für Rettungsflüge nachvollziehbar“, heißt es in dem Bericht.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht gibt es in Salzburg und Tirol zu viele Rettungshubschrauber, 2010 doppelt so viele wie im Jahr 2000. Das habe den Druck verschärft, Flüge auch bei nicht lebensbedrohenden Ereignissen durchzuführen bzw. die Tarife zu erhöhen. Eine „Standortoptimierung“ war laut RH durch den Umstand erschwert, dass die Aufgabenbereiche der Flugrettung nicht festgelegt waren: Sollte der Rettungshubschrauber vorrangig bei lebensbedrohenden Ereignissen eingesetzt werden oder als gängiges Rettungsmittel. Welche Kosten der Krankenversicherungsträger übernimmt, war laut RH unterschiedlich: Die in einer Mustersatzung des Hauptverbands getroffenen Regelungen wären nämlich nicht ausreichend praxisgerecht. (APA)




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