Letztes Update am Mo, 21.05.2012 11:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Migranten in Tirol: Schlechteste Ausbildung



Innsbruck, Wien – In Tirol absolvieren österreichweit am wenigsten Migrantenkinder nach der Pflichtschule eine weiterführende Ausbildung. Während u. a. im Burgenland nur acht Prozent keine höhere Schule besuchen oder sich für eine Lehre entscheiden, sind es in Tirol 24 Prozent, zeigt eine neue Studie des Instituts für Kinderrechte.

Laut Institutsleiter Winfried Moser gibt es für „das deutliche Ost-West-Gefälle“ vor allem zwei Gründe. „Zum einen sind bereits die Eltern dieser Kinder mit Migrationshintergrund im Westen schlechter ausgebildet und wie wir wissen, ist das Schulsystem stark bildungsvererblich“, so Moser. Zum anderen fehle es in Tirol an wichtigen Berufsbildenden Höheren Schulen. Vorurteile, wonach Migrationskinder wenig Interesse an einer weiterführenden Schule haben, will Moser nicht gelten lassen. „Das stimmt nicht, die Jugendlichen sind oft bildungswillig, haben aber keine Chance, weil unser Schulsystem selektiv ist.“ Das sieht Tirols Landesschulratpräsident Hans Lintner etwas anders: „Wir haben in Tirol sehr gute Bildungsmöglichkeiten, aber auch eine spezielle Situation. Der Großteil hat türkischen Hintergrund und hier ist die Resistenz gegenüber Integrationsbemühungen viel größer als bei den Migrationsgruppen, die im Osten Österreichs leben.“ Lintner gibt aber zu, dass man in den Bemühungen „noch eine große Strecke vor sich hat, die wir noch nicht zurückgelegt haben“. Als ersten Schritt will man ab kommendem Schuljahr flächendeckend an den Polytechnischen Lehrgängen und Handelsschulen eine Ganztagesbetreuung anbieten. „Das Polytechnikum ist ja die Drehscheibe für die Lehre und bei entsprechender Betreuung gelingt der Bildungsschub sicher besser.“ Richtig sei der Befund von Moser, dass es zu wenige BHS gibt. „Wir müssen hier das Angebot erweitern, vor allem auch im Bereich der AHS-Oberstufe. Im Bereich der HTL schaffen wir mit dem Chemieschwerpunkt ab 2013 bereits ein Zusatzangebot.“

Auch Anton Kern, Leiter des Arbeitsmarktservice in Tirol, hält weitere Bemühungen für notwendig. „Auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund gilt, dass die Arbeitsmarktchancen mit zunehmendem Ausbildungsniveau ansteigen, da der Fachkräftebedarf ständig steigt.“ (wa)

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