Letztes Update am Fr, 25.05.2012 19:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


6 Mio. € Mehrkosten, aber auch Sparpotenzial von 3 bis 6 Mio. €

LR Tilg: „Es ist das gemeinsame Ziel, den Rettungsdienst hochqualitativ, verantwortungsvoll und kosteneffizient weiterzuentwickeln.“



Von Peter Nindler

Innsbruck – Nach einer Ausschreibung übernahm im Juli 2011 die neue Rettungsdienst GmbH des Roten Kreuzes gemeinsam mit dem Samariterbund, der Johanniter Unfallhilfe, dem Malteser Hospitaldienst und dem Österreichischen Rettungsdienst das bodengebundene Rettungswesen in Tirol. Dem vorausgegangen war eine heftige politische Debatte über den Sinn der Neugestaltung. Vor allem die Oppositionsparteien Grüne und Bürgerforum bezweifelten den Sinn und kritisierten die Zerschlagung von gewachsenen Strukturen.

Seit wenigen Tagen liegt der Prüfbericht des vom Land eingesetzten Wirtschaftsprüfers über den neuen Rettungsdienst vor. Das bestätigte Gesundheits-LR Bernhard Tilg auf TT-Anfrage. „Geprüft wurden die Rot-Kreuz-Bezirksstellen und die Rettungsgesellschaft. Die Gebarungsprüfung wird jetzt mit den betroffenen Einrichtungen und den Finanziers des Rettungswesens diskutiert.“ Für Tilg funktioniert die Etablierung des „Rettungsdienstes neu“ nach Plan und sehr positiv, die Zusammenarbeit aller Beteiligten sei vorbildlich.

Für heuer wurden die valorisierten Kosten für das bodengebundene Rettungswesen mit rund 30 Mio. Euro budgetiert, 50 Prozent steuern das Land und die Gemeinden bei, die andere Hälfte die Sozialversicherungen. Die Wirtschaftsprüfungskanzlei hat das 2. Halbjahr 2011 durchleuchtet, die Gesellschaft und die Bezirksstellen geprüft sowie eine Hochrechnung für 2012 angestellt. Sie kommt zum Schluss, dass die Aufwendungen deutlich den Voranschlag überschreiten. „Die Kosten, die die Bezirksstellen dem Rettungsdienst weiterverrechnen, liegen zusammen mit den von der Rettungsdienst-Gesellschaft an das Land verrechneten Aufwendungen über dem Ausschreibungsergebnis“, erklärt der Gesundheitslandesrat. Die Summe will er nicht nennen, aber laut TT-Informationen beträgt sie 37,5 Mio. Euro. Abzüglich der Einnahmen von 1,5 Mio. Euro schlagen Mehrkosten von rund sechs Mio. Euro zu Buche. Für Tilg ist jetzt zu klären, welche Kosten davon tatsächlich der Notfallrettung und dem qualifizierten Krankentransport laut Ausschreibung zuordenbar sind und welche anderen Bereichen wie der Allgemeinen Verwaltung oder Sozialfahrten. „Wir werden das jetzt partnerschaftlich klären, denn wir werden weiterhin an einem Strang ziehen.“

Kurz- und mittelfristig orten die Wirtschaftsprüfer aber auch enormes Einsparungspotenzial bei der Rettung. Sie beziffern es mit drei bis sechs Mio. Euro. Drei zentrale Bereiche führen sie ins Treffen: einen effizienteren Einsatz der Rettungsfahrzeuge, Reduktion der Verwaltungs- und Immobilienkosten, die dem, Land verrechnet werden, eine stärkere Trennung. Tilg drängt deshalb auf Reformen. „Sie sind im Sinne der Qualität und der Kosteneffizienz rasch umzusetzen.“ Dadurch könnten bereits heuer die Mehrkosten gesenkt werden, die Land, Gemeinden und Sozialversicherung abdecken müssen. Einmal mehr streicht Tilg das Engagement der fachlich bestens ausgebildeten 4100 Freiwilligen hervor, die wesentlich zur Kosteneffizienz beitragen würden.




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