Letztes Update am Sa, 05.01.2013 14:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kampf mit Algen gegen Armut

„Initiative Zukunftsenergien“ plant, ein Algenforschungslabor mit Sitz in Telfs zu etablieren. Durch die Gewinnung von Braunkohle und Schwarzerde könne Armut bekämpft werden.



Von Sabine Kuess

Telfs – In einem Kellerlabor hat es angefangen, jetzt möchte der Telfer Erwin Wimmer mit 17 aktiven Freiwilligen ein internationales und offenes Algenforschungszentrum für die eigene Algenzucht in Tirol aufbauen. „Wir sind 2008 auf die Idee gekommen, Algen zu karbonisieren, dadurch gewinnt man CO2-neutrale Biokohle“, erzählt Wimmer im Gespräch mit der TT von der Idee dahinter.

Vereinfacht gesagt: Gibt man Abwasser in ein Glas mit Algen und lässt es stehen, entsteht darin Biomasse. Diese wird im so genannten „Cube of Destiny“ karbonisiert und man erhält Schwarzerde bzw. Braunkohle. Das Nebenprodukt ist Wasser, das ebenfalls in gereinigter Form genutzt werden kann. „Jedes Land ist in der Lage, das anzuwenden“, schwärmt Wimmer, der für den „Cube of Destiny“ auch bereits einen Preis bei dem Ideenwettbewerb „120 Sekunden“ erhalten hat. Jeder Mensch auf dem Planeten ist mit diesem Cube laut Wimmer erstmals in der Lage, „seine Lebensgrundlagen wie Energie, sauberes Wasser und Dünger für eine erfolgreiche nachhaltige Landwirtschaft selbst zu produzieren. Abwasser, Zeit und Dreck haben alle Entwicklungsländer“, sieht Wimmer ein gutes Mittel für die Armutsbekämpfung.

Geld verdienen wollen die Mitglieder von der eigens gegründeten „Initiative Zukunftsenergien“ (IZ) mit Sitz in Telfs mit dem Projekt nicht: „Das Ganze soll sich selbst finanzieren. IZ ist eine gemeinnützige Einrichtung und soll es auch bleiben“, betont der Sprecher der Initiative. Für die Projektumsetzung kooperiert die Gemeinschaft mit dem Management Center Innsbruck (MCI). Das Algenforschungslabor könnte dann auch als Ausbildungsstation dienen, schwebt Wimmer vor. Die Studenten des MCI nutzen die Ergebnisse für eine Bachelorarbeit. Für die Umsetzung des Algenforschungslabors sei ein Startkapital von 100.000 bis 120.000 Euro notwendig, dafür ist Wimmer „mit einer deutschen Stiftung im Gespräch. Die Kosten belaufen sich auf alle Leistungen, die nicht ehrenamtlich sind.“ Beispielsweise müssten Chemikalien, Laboruntersuchungen und Wassergebühren bezahlt werden. „Uns ist wichtig, dass keiner ein Patent darauf hat. Wir haben auch alle Fakten, die patentierbar wären, schon veröffentlicht“, räumt Wimmer ein, dass man sich mit der Idee, Braunkohle durch Algen zu produzieren, bereichern könnte.

Der ehemalige Projektplaner für erneuerbare Energien lädt im Namen der IZ am Dienstag, den 8. Jänner, zu einem Stammtisch, bei dem das Projekt „Destiny“ vorgestellt wird. Die Initiative bekam vor Kurzem von einem Befürworter des Projektes vier Gewächshäuser geschenkt. „Die Grundstücke dafür fehlen uns aber leider noch“, sagt Wimmer. Bis April müssten die Gewächshäuser für die Algen abgeholt werden, die IZ hofft, dass ihnen jemand Gründe freiwillig überlässt. „Wichtig ist ein befestigter Untergrund. Bauliche Maßnahmen müssen nicht großartig durchgeführt werden und die Betreuung machen natürlich wir“, beschreibt Wimmer. Die Initiative hat zurzeit knapp 1000 Mitglieder, davon 17 aktive. Mitgliedsbeitrag gibt es keinen, „aber wir setzen zwanzig Stunden ehrenamtliche Tätigkeit voraus“. Der Stammtisch am 8. Jänner findet um 19 Uhr im Krane­bitter Hof in Innsbruck statt. Er richtet sich an jeden, der Interesse an der innovativen Idee hat. Eine Einladung erging auch an politische Vertreter, denn Wimmer hofft auch auf die Unterstützung des Landes. Um Anmeldung per Mail (info@zukunfts­energien.org) wird gebeten.




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