Letztes Update am Fr, 29.03.2013 07:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Friedenstaube landete in Wörgl

Die Martin-Niemöller-Friedenstaube wurde an den Wörgler Aaron Peterer, dem Koordinator des Anne Frank Vereins, übergeben. Die Auszeichnung wird für hervorragende Menschenrechtsarbeit vergeben.



Von Veronika Spielbichler

Wörgl – Sensibilisieren für Menschenrechtsverletzungen heute anhand des Schicksals von Anne Frank, deren berührendes Tagebuch die Erinnerung an die Gräuel des Holocaust wachhält – dieser Aufgabe widmet sich der Anne Frank Verein Österreich, der seit 2012 seinen Sitz in Wörgl hat. Die engagierte Arbeit mit Jugendlichen wurde jetzt von der Stadt Bozen mit einer besonderen Auszeichnung bedacht: Die Martin-Niemöller-Friedenstaube landete bei Aaron Peterer, dem Koordinator des Anne Frank Vereins.

Die Martin-Niemöller-Friedenstaube ist eine Auszeichnung für Menschenrechtsarbeit, die immer nur auf Zeit, maximal ein Jahr, an einem Ort verweilt. 30 davon – für jeden Artikel der Menschenrechtserklärung von 1948 eine – zirkulieren um den Erdball, wobei Teil der Auszeichnung die Entscheidung über die Weitergabe ist. Die Stadt Bozen reichte die Taube auf Anregung des dortigen Stadtarchivs an den Anne Frank Verein in Wörgl weiter. Bozen sei aufgrund seiner durch zwei faschistische Diktaturen vorbelasteten Geschichte besonders bemüht, diese mit Jugendlichen aufzuarbeiten und die Erinnerung daran wach zu halten.

„Jugendliche sind das Erinnerungskapital der Zukunft“, erklärte Hannes Obermair, Leiter des Stadtarchivs, und begründete die Auswahl des Anne Frank Vereins mit der Durchführung der grenzüberschreitenden Wanderausstellungstour „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ mit Jugendlichen aus Innsbruck, Bozen und Rosenheim von Herbst 2012 bis März 2013: „Das ist ein Projekt mit europäischer Strahlkraft.“ Das der Wörgler Aaron Peterer mit dem Folgeprojekt „Connecting Borders Österreich Deutschland Italien“ fortführt. Die Ausstellung wurde eineinhalb Monate in Innsbruck gezeigt, dann in Bozen und Rosenheim, und von über 3000 Jugendlichen besucht, wobei mit den Schulen noch Rahmenprogramme organisiert wurden.

Das Projekt „Connecting Borders Österreich Deutschland Italien“ schließt daran an und wendet sich an Jugendliche aus der offenen Jugendarbeit. „Am 19. und 20. April 2013 findet in Bruneck der nächste Workshop statt, an dem elf Jugendliche aus Wörgl, vier aus Grafing in Bayern und neun aus Bruneck teilnehmen“, erklärt der 31-jährige Wörgler, der zweisprachig aufwuchs, 2001 in Kufstein am Gymnasium maturierte und nach Amsterdam übersiedelte, wo er 2002 und 2003 im Anne Frank Haus den Gedenkdienst als Zivilersatzdienst leistete und bis 2010 in der internationalen Abteilung des Anne Frank Hauses arbeitete.

Seither fühlt sich der freiberufliche Trainer für die Durchführung von Workshops und Seminaren, der für internationale Organisationen weltweit tätig ist, dem Anne Frank Haus verpflichtet und ist auch im 2004 gegründeten Anne Frank Verein Österreich aktiv. Dieser wurde von ehemaligen Gedenkdienern ins Leben gerufen, um einerseits die Erinnerung an Anne Frank und ihre Zeit aufrechtzuerhalten und andererseits für Menschenrechtsverletzungen heute Bewusstsein zu schaffen. Vorzeigeprojekt dafür sind dreitägige Workshops mit Jugendlichen, in denen sie sich mit den Menschenrechten in der Erklärung der UNO von 1948 auseinandersetzen und lernen, anhand aktueller Menschenrechtsverletzungen Kurzfilme zu erstellen. Dabei geht es um Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung Jugendlicher, wobei immer anhand praktischer Beispiele gearbeitet wird.

Besonders wichtig ist ihm der Brückenschlag von damals zu heute: „Hitler wurde in einer Demokratie gewählt. Die Diktatur war nicht von einem Tag auf den anderen da, das war eine Entwicklung.“ Und hier gelte es auch heute wachsam zu sein.

Bis Mitte Mai zeigt der Anne Frank Verein die Wanderausstellung für Jugendliche in der Galerie am Polylog in Wörgl inklusive des Dokumentarfilms „Das kurze Leben der Anne Frank“.

Die Martin-Niemöller-Friedenstaube wird Wörgl allerdings bald wieder verlassen und im Kufsteiner Gymnasium landen – in Würdigung jener bereits verstorbenen Lehrerin, die die Weichen zu Aaron Peterers weiterem Lebensweg in der siebten Klasse gestellt hat: „Sie war mein Klassenvorstand und hat mich auf die Idee gebracht, den Gedenkdienst im Anne Frank Haus zu leisten.“

Dem Verein bleibt dann bis zu einem Jahr Zeit, den nächsten Landeplatz der Friedenstaube aufzuspüren.




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