Letztes Update am Di, 02.07.2013 11:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aufstand der Eltern gegen Sprachklasse

Türkischstämmige Eltern sehen in der Sprachstartklasse an der VS Wörgl eine Ghettoisierung und wollen deren Auflassung.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Vor drei Jahren wurden die Sprachstartklassen eingeführt. In ihnen soll Kindern mit Migrationshintergrund, die Deutsch nicht ausreichend oder überhaupt nicht beherrschen, eine optimale Förderung ermöglicht werden. Ein immer wieder als Vorzeigeprojekt gepriesenes Programm, das jedoch nicht alle begeistert. „Wir wollen, dass unsere Kinder Deutsch lernen. Wir wollen aber keinesfalls, dass unsere Kinder von ihren gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen und Freunden sowie Freundinnen getrennt werden“, ist in einer E-Mail an die TT nachzulesen. Sieben Eltern, deren Kinder für diese besondere Vorschule an der Volksschule 1 in Wörgl eingeteilt wurden, legten Berufung ein. Denn laut Osman Ezmen von der Föderation der ArbeiterInnen und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich (ATIGF) komme es so zu einer „Ghettoisierung der Schüler“. Daher wurde sogar eine landesweite Protestaktion gestartet, bei der bereits an die 1000 Unterschriften gesammelt worden seien. Ziel: die Abschaffung der Sprachstartklassen.

Im kommenden Schuljahr sind in Wörgl 13 Kinder in einer solchen Klasse vorgesehen. Und sie werde auch zustande kommen, wie Wörgls VS-Direktorin Isabella Mölk erklärt. Die Berufungen seien nämlich vom Bezirksschulrat abgelehnt worden. Mölk, Bildungslandesrätin Beate Palfrader und Hans Lintner, amtsführender Präsident des Landesschulrats, sind über den Protest überrascht. Alle drei verweisen nämlich auf den großen Erfolg des Förderprogramms.

Für Palfrader gehe es in erster Linie um das „Wohl der Kinder“, damit diese eine erfolgreiche Schulkarriere absolvieren können. Sie werde jedoch noch auf eine Zusammenlegung mit anderen Klassen bei Fächern wie Turnen oder Zeichnen drängen. Laut Lintner passiere dies Großteils bereits. Er will mit den Eltern ein Gespräch führen, da es durchaus Missverständnisse geben könne. Er verweist zugleich darauf, dass das Programm mittlerweile sogar in den Regelschulbetrieb übernommen werden soll.




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