Letztes Update am Fr, 13.07.2012 07:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Drei Franziskaner müssen Kloster Reutte verlassen

Die Zeit für die Patres Werner, Lorenz und Markus läuft im September ab. Nicht alle gehen leichten Herzens. Zwei Neue folgen.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Wer Franziskaner wird, darf keine Wurzeln schlagen. Das Weiterziehen-müssen ist dem Ordensgedanken innewohnend. Nun trifft es in Reutte gleich drei von insgesamt fünf Ordensbrüdern, die nach Jahrzehnten im Außerfern in andere Klöster versetzt werden. Die Nachricht hatte im Kloster große Spannungen der Brüder untereinander ausgelöst, nun scheinen aber alle bereit für den Aufbruch zu sein.

Pater Werner, er ist auch der Pfarrer der St. Anna-Kirche in Reutte, bekommt eine Sabbatzeit geschenkt, um zu mehr „Ruhe und Innerlichkeit zu finden“, wie seiner schriftlichen Mitteilung an die Reuttener Kirchengänger zu entnehmen ist. Der heute 67-Jährige war 14 Jahre in der Marktgemeinde und übersiedelt im September ins Schalomkloster nach Eferding in Oberösterreich. Dort ist er für Exerzitien und persönliche Aufgaben freigestellt.

Gleich 36 Jahre war Pater Lorenz Staud in Reutte tätig. Nun wird der 65-jährige Sportsfreund nach Kaltern in Südtirol versetzt. „Er geht von uns sicher am schwersten“, weiß Mitbruder Werner um die Nöte des Mitbruders. Markus Schlichthärle wiederum wechselt nach zehn Jahren Außerfern als Kranken­hausseelsorger nach Schwaz. Die Patres Josef Höller und Alois Kitzbichler kommen dafür nach Reutte.

Pater Werner versucht die Zwangsmobilität bei den Franziskanern zu erklären: „Es darf keine Fixierung oder Erstarrung entstehen. Die Betonung der Bruderschaft im Orden steht vor allen anderen Tätigkeitsfeldern des Einzelnen, so wichtig sie auch sein mögen. Und Franziskanerbruderschaft kann genauso im Heiligen Land oder der Mission gelebt werden, wenn Rom anfragt“, erläutert Werner. Jede Beweglichkeit im Orden ginge verloren, wenn alle ihren Platz behaupten wollten.

Werner Gregorschitz macht im TT-Interview den Eindruck, als ob ihm eine Last genommen wurde. Auf die Frage, ob er leicht gehe, bleibt er unschlüssig: „Ich weiß es selber noch nicht ganz, ob ich lachen oder weinen soll. Von der Sache her ist es schon eine Befreiung.“

Er frage sich in diesen Tagen oft, was er in Reutte bewirkt habe. Vor seinem Einsatz im Außerfern war er zwölf Jahre lang in ganz Österreich und Süddeutschland auf Gemeindemission unterwegs. „Dauernd woanders, immer 14 Tage an einem Ort für Hausbesuche, Begegnungen, Vorträge, Gottesdienste und vieles mehr. Heute frage ich mich, wo liegt der Unterschied zwi- schen 14 Tagen und 14 Jahren? Gleich viel scheint passiert.“ Es habe in der Gemeindemission kurze Begegnungen gegeben, die viel tiefer gewirkt hätten als langjährige Beziehungen, fast wie Wunder.

„Ein Tag kann eine Perle sein. Und ein Jahrhundert nichts“, nimmt der Reuttener Pfarrer zum Abschied Anleihe bei Gottfried Keller. Pater Werner scheint im Außerfern auch Erfahrungen gemacht zu haben, über die er nicht gerne sprechen möchte. Trotzdem ist er dankbar für die Zeit.




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