Letztes Update am Fr, 21.06.2013 06:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bergfeuer werden zu Spektakel

Tausende Schaulustige erwartet am Samstag das größte Sommersonnwend-Spektakel im Alpenraum. 10.000 Feuerstellen sind dann im Ehrwalder Talkessel zu sehen.



Von Simone Tschol

Lermoos, Ehrwald, Biberwier – Schon seit Urzeiten stand das Feuer im Mittelpunkt von Ritualen und Sagen. So auch der Brauch der Sommer­sonnenwende, die schon in vorchristlicher Zeit festlich mit Feuer begangen wurde.

Am Abend des 22. Juni, der Johannisnacht, werden viele Orte im Außerfern von einer ganz besonderen Kulisse eingerahmt. Große Sonnwendfeuer leuchten dann kurz nach Einbruch der Dunkelheit von den Bergen herab.

Die Stars der flammenden Inszenierung im Außerfern sind ohne Zweifel die Berggipfel rund um das Wetterstein-Massiv mit der Zug­spitze, den Lechtaler Alpen und der Mieminger Kette in der Tiroler Zugspitz Arena. Dort werden der längste Tag und die kürzeste Nacht mit einer Feuershow, die im Alpenraum ihresgleichen sucht, zelebriert. Dann sind wieder Tausende Schaulustige Feue­r und Flamme. Bis zu 200 Meter hohe Feuerskulpturen werden in die Felswände von Zugspitze, Grubigstein, Marienberg und Sonnenspitze „gebrannt“. Lodernde Hirsche, Rosen, Symbolfiguren wie Andreas Hofer oder religiöse Motive konnten schon in den vergangenen Jahren gesichtet werden.

Rund 10.000 einzelne Feuer­stellen werden heue­r nach der abendlichen Dämmerung entzündet und lasse­n die dunklen Gipfel und Berghäng­e in ganz besonderem Licht erstrahlen.

Als Wahrzeichen lebendigen Brauchtums und des überlieferten Wissens wurden die Bergfeuer 2010 im nationale­n Verzeichnis des immateriellen Unesco-Kulturerbes in Österreich aufgenommen.

Ursprung der Bergfeue­r ist ein alter Brauch im Alpen­raum: Seit dem 14. Jahrhunder­t werden in der Johannisnacht auf den Berggipfeln Feuer angezündet, um böse Dämonen und Geister zu vertreiben. Verschiedene Bergfeurer-Gruppen planen die Motive, die sie bis zuletzt geheim halten, schon Monate im Voraus. Wie viele es genau sind, kann keiner sagen. Jedoch werden es Schätzungen zufolge auch heuer mehr als 400 Bergfexe sein, welche die Zugspitzregion am Samstagabend in ein ganz besonderes Licht tauchen. In den Felsen auf über 2000 Höhen­metern verankern sie pro Motiv bis zu 700 Säcke, gefüllt mit Rapsöl und Sägemehl. Auch in diese­m Jahr werden die Bergfeuer mit spektakulären Figure­n unter den Berggipfeln für flammende Begeisterung sorgen. Ab zirka 22 Uhr werden die Motive entzündet.

Den besten 360-Grad-Panorama­blick auf das Spektakel haben Besucher im Moos – dem Talboden zwischen den drei Gemeinden Ehrwald, Lermoos und Biber­wier. Da es aufgrund des großen Andrangs immer wieder zu Verkehrsbehinderungen kommt, raten die Veranstalter allen Schaulustigen, möglichst früh anzureisen, um große Staus zu vermeiden. Auch wer einen Platz auf einer der vielen Terrassen der Hotels oder Restaurants ergattern möchte, um das Spektakel aus der ersten Reihe mitverfolgen zu können, sollte sich diesen im Vorfeld reservieren.

Aber nicht nur auf den Bergen wird am kommenden Samstag reges Treiben herrschen — zahlreiche Veranstaltungen sorgen für Unterhaltung im Tal.

Bei Schlechtwetter werden die Bergfeuer auf den 29. Juni 2013 verschoben.




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