Letztes Update am Mi, 28.03.2012 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Grausame Tat lange geplant: Der Goldmord ist ein Sonderfall

Jahrelang akribisch vorbereitet: Sollte sich der Verdacht gegen den Unterländer Polizisten bestätigen, ist der Goldmord ein Sonderfall.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Landespolizeikommandant Helmut Tomac war die Erschütterung deutlich anzusehen. Tirols ranghöchster Polizist wirkte beinahe schockiert, als er am Dienstag das bisher Undenkbare bekannt geben musste: Ein langjähriger Polizeibeamter sei verdächtig, eine Bankangestellte vorsätzlich ermordet zu haben.

Offenbar aus Habgier, wegen acht Kilo Gold. Vor allem die langfristige, akribische Planung und die grausame Tatausführung machen das Verbrechen in Wiesing zum Sonderfall. So gibt‘s Hinweise, dass der Beschuldigte bereits seit 2009 an den Vorbereitungen für den Mord gearbeitet haben soll. Auch der Versuch, das Auto mit einer Signalfackel anzuzünden, dadurch das Opfer zu töten und gleichzeitig sämtliche Spuren zu vernichten, zeigt, wie kaltblütig und durchdacht die Vorgangsweise war.

Dass Polizisten aus persönlichen Motiven töten, kommt vor. Auch in Tirol.

Zuletzt am 25. April 2000, als ein Innsbrucker Kriminalpolizist seine Frau durch drei Schüsse schwer verletzte, seine Freundin mit einem Kopfschuss tötete und dann Selbstmord beging. Eine Tragödie, aber kein Verbrechen aus Habgier, das von langer Hand geplant war. In dieses Bild passt auch der Kärntner Polizist, der im November 2010 seinen Nebenbuhler erschoss, seine Ex-Freundin schwer verletzte und dann Selbstmord beging. Ebenfalls in Kärnten erschoss ein Polizeibeamter 2009 einen 17-Jährigen, verletzte dessen Vater (47) mit fünf Schüssen und nahm sich das Leben. Das Motiv: Der Täter hatte mit der Ex-Frau des 47-Jährigen ein Verhältnis. Als dieser die Frau des Polizisten aufklärte, drehte der Beamte durch.

Auch in allen anderen Fällen seit 1989 waren Beziehungsprobleme die Motive, die Polizisten zu Mördern werden ließen. Wer einen mit dem Wiesinger Mord vergleichbaren Fall sucht, muss fast 44 Jahre zurückblicken: Der Wiener Polizist Ernst Karl erschoss im April 1968 in der Bundeshauptstadt zwei Einbrecher. Aus Notwehr, wie sich der Beamte rechtfertigte. Tatsächlich fanden Ermittler bei einem Einbrecher eine Pistole, aus der ein Schuss gefallen war.

Von Notwehr konnte aber keine Rede sein: Tatsächlich hatte Karl den Kleingaunern die Pistole überlassen und sie zu einem gemeinsamen Einbruch überredet – er werde in Uniform Schmiere stehen. Eine Falle – wie sich herausstellte, wurde der homosexuelle Polizist von den Einbrechern erpresst und wollte sie auf diesem Weg elegant aus dem Weg räumen. Sechs Jahre später beging der 2001 verstorbene Polizist in der Haftanstalt Stein einen weiteren Mord. Diesmal mit den bloßen Händen, der Ex-Beamte erwürgte einen Mithäftling.

Zurück zum Wiesinger Mord: Auf Grund der Besonderheit des Falls – weil der Verdächtigte Polizist ist – wurde zusätzlich ein Beamter des Bundesamtes zur Korruptionsprävention und -bekämpfung (BAK) eingeschaltet. „Die Ermittlungen zum Mord und zum Mordversuch am Polizistenkollegen wurden, wie bekannt, nach Vorarlberg ausgegliedert. Nun hat man aber auf einer noch höheren Ebene einen Beamten eingesetzt, der zusätzlich für die Qualität der Ermittlungen garantieren soll“, erklärt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums.




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