Letztes Update am Do, 23.02.2012 11:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brennende Fragen und bartlose Jünger

Julia Bornefelds „The Burning Supper“ setzt zur Fastenzeit ein flammendes Zeichen des Dialogs im Dom.



Von Ivona Jelcic

Innsbruck – Mächtig schwebt die Fotoinstallation „The Burning Supper“ im barocken Altarraum des Innsbrucker Doms zu St. Jakob, zur monumentalen Wirkung trägt auch der breite Rahmen aus verkohlten Holzbalken bei, der eine zentrale Idee dieser auf Leonardo Da Vincis berühmtem Abendmahl basierenden Inszenierung an die Ränder fortsetzt: Aus der Tafel lodern Flammen, an ihr scharen sich moderne Jünger u. a. in Metal-T-Shirts und Motorradjacken um einen grau- und langhaarigen Jesus mit dem Anschein eines Alt-68ers, dem das Feuer so etwas wie spirituelle Erleuchtung ins Gesicht malt.

Es böten sich freilich auch andere interpretatorische Optionen, so wie überhaupt „The Burning Supper“ ein Spiel mit Möglichkeiten ist, das Julia Bornefeld ausgehend von ikonographischen Traditionen des Christentums in Gang zu setzen gedenkt. An dieser Tafel könnten auch zehn Frauen sitzen, nur habe das ja schon ihre Künstlerkollegin, die Südtiroler Fotografin Brigitte Niedermair gemacht, sagt Bornefeld. Und bedauert, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Niedermairs Arbeit einst der Skandalisierung zum Opfer fiel. „The Burning Supper“ kommt hingegen mit nur einer Frau aus und zitiert auch damit die Kunsthistorie, die den Johannes als bartlosen Jünger mit femininen Zügen kennt und hinlänglich diskutiert hat. Natürlich sei das auch „ein Hinweis darauf, dass sich die Kirche mit dem Thema Frau in der Kirche und im Kirchenamt beschäftigen muss, sonst gingen wir völlig an der Zeit vorbei“, sagt Probst Florian Huber, der dem Arbeitskreis Kunstraum Kirche für die künstlerischen Interventionen zur Fastenzeit bereits zum zwölften Mal im Dom eine Heimat bietet.

Für Elisabeth und Gerhard Larcher vom Kunstraum Kirche sind diese Interventionen ein Anstoß zur Auseinanderesetzung sowohl mit zeitgenössischer Kunst an sich als auch mit deren Beziehung zur Religion. In Bornefeld haben sie eine Künstlerin gefunden, die es meisterlich versteht, mit ihren Skulpturen und Objekten ins Performative reichende Erfahrungsebenen aufzumachen – und seien sie auch nur als Möglichkeiten vorhanden. Das zeigte sich 2011 auch in der Ferdinandeums-Ausstellung „Vanity and High Fidelity“ der 1963 in Kiel geborenen und in Bruneck lebenden Künstlerin. „The Burning Supper“ hat Bornefeld als „performativen Akt“ nahe Bruneck inszeniert, was sich an den verschneiten Bergen erahnen lässt, die aus dem Dunkel herausleuchten und jetzt eine Projektionsfläche für den sich darin spiegelnden Kirchenraum bieten. Für die im Betrachter entfachten Fragen zu Ritualen, Spiritualität und tradierten Bildern sowieso.




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