Letztes Update am Sa, 03.08.2013 07:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mit Bohrer, Flämmer und Motorsäge

Der Bildhauer Gregor Pokorny zeigt ab heute in seiner einstigen Heimat einen faszinierenden Querschnitt seiner künstlerischen „Wandlung“.



Von Claudia Funder

Lienz – Seine erste Skulptur entstand aus dem Holz eines Apfelbaumes, der im Garten seiner Mutter gefällt worden war. 1959 geboren und in Sillian und Dölsach aufgewachsen, wurde Gregor Pokorny schon früh durch die Tätigkeit seines Vaters mit Kunst konfrontiert und geprägt. „Er war Restaurator und hat mein Interesse für die christliche Thematik und das Mittelalter geweckt“, erzählt der Wahlburgenländer, der das Handwerk von seinem Vater erlernte und bis zu dessen Tod als Restaurator in Tirol tätig war. Erst mit Mitte zwanzig begann Pokorny, mittlerweile in Wien lebend, eigene Kunst zu schaffen – fasziniert vor allem vom Werk Picassos. „Das Überwinden des mächtigen Vaters war ein wesentlicher Punkt. Ich habe schließlich eine eigene Sprache in der Skulptur gefunden.“

Nachdem Pokorny zwei Jahre als Theatermaler tätig war – eine „leichte Zeit“, wie er sich zurückerinnert –, zog es ihn mit knapp 30 aus der Stadt in das südliche Burgenland, wo er bis heute wohnt und arbeitet. Es folgten eine Reihe von Einzel- und Gruppenausstellungen. „Ich habe auch zahlreiche Auftragsarbeiten gemacht“, so der Künstler.

Eine Erkrankung mit längerer Schaffenspause führte zu einer Zäsur in seinem Werk. Die Überwindung brachte eine völlig neue Formensprache in sein Oeuvre. Das sakral geprägte Frühwerk ist längst der abstrakten Kunst gewichen. Mit Bohrer, Flämmer und Motorsäge verwandelt Pokorny Holz einer Vielzahl an Baumarten in Werke mit prägnantem Ausdruck. Zum Schaffensprozess sagt er: „Es ist eine sehr konzentrierte, bedächtige Vorgangsweise.“ Neben Holz verwendet der Bildhauer auch andere Naturmaterialien, aber auch Blech, Kunststoff und Glas. Entstanden ist auch eine Reihe von Druckgrafiken.

Unter dem bezeichnenden Titel „Wandlungen“ ist von 4. bis 24. August ein bemerkenswerter Querschnitt des Schaffens von Gregor Pokorny in der Lienzer Spitalskirche zu sehen. Die Vernissage der Personale in diesem spannenden Ambiente findet heute um 19 Uhr statt.




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