Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.08.2013


Prallgefülltes Fund-Depot entdeckt

Bei Rekordhitze wird in Aguntum unter verschärften Arbeitsbedingungen archäologisch Hand angelegt. Die schweißtreibende Kampagne ist ein Erfolg: Ein freigelegter Raum erwies sich als wahre Schatzkiste.

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© Funder



Von Claudia Funder

Dölsach – Die Sonne sticht vom Himmel, die Luft flirrt, das Grabungsareal gleicht temperaturmäßig bereits vor Mittag einem Backofen.

Unter harten Bedingungen wird derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Römerstadt Aguntum Hand angelegt. 25 Grabungsteilnehmer – darunter Angestellte des Instituts für Archäologien Innsbruck, Grabungstechniker, Wissenschafter und Studenten – sind damit beschäftigt, noch Unbekanntes aus der Erde an das Tageslicht zu befördern und die Geschichte des Ortes fortschreiben zu lassen.

Kopfbedeckung, Sonnenöl und viel zum Trinken sind seit Wochen ständige Begleiter. „Eine gesunde Arbeitsumgebung ist es hier derzeit nicht, aber fast alle haben bisher tapfer durchgehalten“, zeigt sich Grabungsleiter Michael Tschurtschenthaler stolz auf sein Team. „Wir haben über dem Boden auch schon Temperaturen von über 60 Grad gemessen.“ Wem es doch einmal zu schweißtreibend wird, der macht sich indoor beim Scherbenwaschen nützlich.

Neun Stunden täglich ist man auf der geschichtsträchtigen Stätte zugange – in Anbetracht der Temperaturen mit beachtenswertem Tempo, obwohl vor Ort betont wird, dass Arbeiten und Denken langsamer als üblich erfolgen.

Im Rahmen der diesjährigen Grabungskampagne hat man den Nordteil des Forums im Visier. Aaron und Martin sind zwischen Mauern beschäftigt, wo ein Keller entdeckt wurde. „Möglicherweise wurde hier einst Eis gelagert“, vermutet Tschurtschenthaler.

Weitergegraben wird heuer auch im Bereich des 200 Quadratmeter großen Saals. „Es dürfte sich um einen ehemaligen Versammlungssaal handeln“, so Tschurtschenthaler zu der wahrscheinlichen Hauptnutzung des riesigen Raumes. Später seien, so der Archäologe, in den Ecken einfache Behausungen eingebaut worden. So stieß man etwa bei den Grabungen im Nordwesten auf eine Schlauchheizung und im Nordosten auf einen Ofen.

Eine Sternstunde für die Archäologen gab es heuer bei Freilegungen im Nordwesten der Anlage. „Wir stießen auf einen etwa 50 Quadratmeter großen Raum, der voll mit Funden war“, freut sich der Grabungsleiter über die Entdeckung, die als Sensation gewertet werden kann. In dieser Konzentration traten in den vergangenen 24 Jahren keine Funde in Aguntum zutage.

Der Raum verfügt über einen hochwertigen Boden und ist gleich ausgestattet wie die Mittelräume für die Bürgermeister. Die Wände sind bemalt, Marmorplatten als einstige Wandtäfelung sind fragmentarisch erhalten.

Am Rand der Nordmauer des Raumes fand man Relikte eines Wagens – vier Paar Nabenringe der Achse. Dauben von Holzfässern wurden entdeckt. „Man stieß aber auch auf ein Fass und ein Keramikgefäß – gefüllt mit verkohlten Getreidekörnern, die nun genau bestimmt werden“, berichtet Tschurtschenthaler. Weiters barg man gut erhaltene Amphoren und andere Gefäße, Münzen aus Bronze und eine große Anzahl von Werkzeugen, darunter Axt, Messer, Bohrer und Meißel. „Die Gegenstände befinden sich bereits in Innsbruck zur genauen Untersuchung“, gibt der Grabungsleiter bekannt.

In den Kübeln der Archäologen landeten bei der Räumung des Raums schließlich noch rund 300 Eisennägel, Türscharniere sowie Möbelbeschläge und -griffe. Auch Bimssteine fand man. „Sie dürften“, schätzt der Experte, „einst zum Glätten von Holz in Verwendung gewesen sein.“ Die Funde kommen nach ihrer Bestimmung und etwaigen Restaurierung nach Osttirol zurück.

Die aufgrund von Geo­radarmessungen erhoffte Existenz eines Tempels hat sich nicht bestätigt. Die Zufriedenheit ist dennoch groß. „Ich bin begeistert von dem Ergebnis der Grabungen“, freut sich der Obmann des Vereins „Curatorium pro Agunto“, Leo Gomig, der immer auf der Suche nach Mitteln für weitere Arbeiten ist. „Wir sind in Gesprächen mit dem Bundesdenkmalamt, das wir zur Mitfinanzierung mit ins Boot holen wollen. Die Verhandlungen über die Höhe der Mittel laufen.“

Allein die Sanierungsmaßnahmen kosten pro Jahr rund 40.000 Euro.




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