Letztes Update am Di, 29.05.2012 09:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Haus der Völker

Trotz 40 Jahren Erfahrung noch immer ein Lernender

Das Schwazer Haus der Völker sperrt nach 17 Jahren zu, um in einem Jahr wiedereröffnet zu werden. In einem Neubau am alten Ort.



Schwaz – Im Haus der Völker ist derzeit großes Einpacken angesagt. Schließt das Museum doch nach 17 Jahren und mehr als 40 Sonderausstellungen, um in etwa einem Jahr in einem neuen Haus wiedereröffnet zu werden. Ist das traurig für Sie?

Gert Chesi: Überhaupt nicht. Weil jedes Ende einen neuen Anfang bedeutet. Mit Möglichkeiten, die wir bisher nicht hatten. War die alte Bausubstanz zwar höchst stimmungsträchtig, hat uns bei der Gestaltung von Ausstellungen aber die größten Schwierigkeiten bereitet. Schon das Einschlagen eines Nagels ein Riesenproblem bedeutet hat. Im neuen Haus werden wir klar gegliederte, eher nüchterne Räume haben, wird die Raumoptik hinter die Optik der auszustellenden Exponate zurücktreten.

Der vom Land Tirol finanzierte Neubau des Museums ist auch ein Garant für dessen Zukunft, die nicht immer gesichert erschien.

Chesi: Ja, das sehe ich auch so. Dieser Neubau wurde von uns allerdings vom Land ertrotzt, nicht zuletzt mit medialer Hilfe bzw. durch den Schwazer Bürgermeister Hans Lintner, der mit Inbrunst diese Sache betrieben hat. Nun schauen wir zuversichtlich in die Zukunft, erhoffen uns von dem neuen Haus Impulse für das Museum. Auch neue neugierige Zuschauer. Schätze ich doch, dass dreiviertel aller Schwazer noch nie im Haus der Völker waren.

Mit dem Neubau am selben Ort ist auch die Diskussion um den Standort hinfällig.

Chesi: Dass der Standort am Rand von Schwaz nicht ideal ist, das wissen wir. Wir hatten ein Angebot, ins Zentrum zu siedeln, vis-a-vis der fantastischen (Chesi lacht) neuen Stadtgalerien. Dieser Standort wäre für uns ideal gewesen, allerdings nicht finanzierbar.

Wie viel wird der Neubau in St. Martin kosten?

Chesi: Wir müssen mit 1,3 Millionen Euro auskommen bzw. 200.000 Euro für die Innenausstattung des Museums, das mit rund 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ungefähr gleich groß sein wird wie bisher. Der bisherige Cafeteil genauso wie der Asien-Saal bleiben, werden nur umgestaltet. Durch ihn betritt man das neue Haus, das ein 30 Meter langer, auf Stelzen stehender Kubus sein wird.

Wie schauen Ihre Pläne für das neue Haus aus?

Chesi: In einer Studiogalerie möchte ich jährlich bis zu zehn fantastische kleine feine Privat-Sammlungen bzw. außereuropäische Künstler von heute vorstellen. Große Sonderausstellungen wird es nur mehr zwei jährlich geben. Mehr werden wir uns nicht leisten können.

Wie schaut es zukünftig mit den Finanzen aus?

Chesi: Sie werden statt mehr weniger. Der Bund will uns zukünftig nichts mehr geben genaus wie das Land, das uns über das Erlassen der Miete indirekt subventioniert. Eine große Sorge bereiten uns die Betriebskosten in noch unbekannter Höhe. Als treuer Partner wird uns die Stadt Schwaz erhalten bleiben, von der wir bisher 20.000 Euro jährlich bekommen. Allerdings auch die letzten 17 Jahre hätten wir nicht überlebt ohne unseren Shop, der uns rund 30.000 Euro im Jahr einbringt.

In rund einem Jahr wird das neue Haus der Völker wiedereröffnet. Womit?

Chesi: Ich fliege im Juni nach Thailand, wo am 20. in einem Dorf an der Grenze zu Laos das große Pitakom-Fest gemeinsam mit den toten Seelen gefeiert wird. Mit riesigen meterhohen Masken, die praktisch niemand kennt. Mit diesen möchte ich das neue Haus eröffnen. In der Studiogalerie werden berauschenden Fotografien südafrikanischer Heiler zu sehen sein. Und völlig neu aufgestellt wird sich natürlich auch die permanente Sammlung des Hauses der Völker den Besuchern präsentieren. Mit einem Schwerpunkt auf die Archäologie auf höchstem Niveau.

Sie haben vor fünf Jahren einen Großteil Ihrer Sammlung nach Graz verkauft. Um trotzdem in Schwaz zu bleiben. Wie lange noch?

Chesi: Die Pläne des Käufers, für die Sammlung in Graz ein Museum zu bauen, sind vorerst auf unbestimmte Zeit vertagt, weshalb wir nach wie vor die Sammlung Schell verwalten. Außerdem habe ich in diesen fünf Jahren eine neue Sammlung aufgebaut. Aber gerade diese Lebendigkeit macht ja den Reiz des Hauses der Völker aus, sein permanenter Wandel, der ständige Austausch von Objekten. Die Qualität des Hauses wird sich allerdings ständig steigern, weil natürlich auch ich trotz 40 Jahren Erfahrung noch immer dazulerne.

Das Gespräch führte Edith Schlocker.




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