Letztes Update am Do, 22.03.2012 06:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schärfe und Geduld schließen sich nicht aus

Die Bürgermeisterkandidatin der Innsbrucker Grünen, Sonja Pitscheider, fand den Zugang zur Politik praktisch vor der Haustür.



Von Christoph Mair

Innsbruck – Naherholungsgebiet und Mahnmal: Mit dem Innsbrucker Waltherpark am Innufer verbindet die Spitzenkandidatin der Grünen, Sonja Pitscheider, zweierlei: Erstens ist er für sie eine Oase vor der Haustüre – sie wohnt in Mariahilf –, zweitens bleibende Erinnerung vom erfolgreichen Bürgerwiderstand gegen ein Großprojekt (Golden Line), das „den ganzen Park zerstört hätte“. Für Pitscheider eine prägende Episode, ähnlich wie das Aufwachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus in der „tiefschwarzen Hochburg Hall“.

Nach Innsbruck umgezogen, kam die studierte Grafikerin nach der Geburt von Sohn Matthias (10) zur Politik – über das Thema Verkehr, das sich in St. Nikolaus/Mariahilf vor ihren Fenstern abspielt. „Ich bin aber keine von den Grünen, die nur auf das Auto hinhauen“, stellt sie gleich zu Beginn klar. Es gehe um dessen vernünftigen Einsatz und um eine andere „Machtverteilung“ im Straßenraum. Derzeit dominiere der Pkw, für Fußgänger und Radfahrer sei kaum Platz. Sonja Pitscheider hat Sympathien für das Modell „Shared Space“, also einen gemeinsam genützten Straßenraum, wo jeder auf den anderen Rücksicht nehmen muss. „Drüberfahrerpolitik“ lehne sie ohnedies ab, die Menschen müssten in Entscheidungen eingebunden werden. Dass sich das nicht von heute auf morgen umsetzen lässt, ist der grünen Realistin klar: „Ich habe überhaupt eine Eselsgeduld, nur wenn mir jemand ein X für ein U vormachen will, werde ich grantig.“ Da könne sie gegenüber der politischen Konkurrenz schon schärfer werden, sagt die Stadträtin.

Apropos Schärfe, die mag die Politikerin auch kulinarisch: „Es gibt nichts Genüsslicheres, als nach dem Sport im Winter zur Jause eingelegte Jalapeños zu essen“, schwärmt Pitscheider. „Da wird ein Glas auf einmal leer.“ Die scharfen Früchtchen zieht sie wie auch Tomaten selbst.

Die Gartenarbeit sei ein Ruhepol, auch wenn sie da alle Hände voll zu tun hat. Mit ihrer Mutter bewirtschaftet sie einen Gemüsegarten in Hall, mit der Schwiegermutter züchtet sie Blumen in Völs. Die ersten Pflänzchen sprießen momentan noch auf dem Fensterbrett. Abschalten kann die grüne Frontfrau in der Familie. „Auch jetzt im Wahlkampf ist die Mittagszeit an zwei Tagen in der Woche für meinen Sohn reserviert. Das halte ich eisern ein“, erzählt Pitscheider.

Wenn es die Zeit zulässt, widmet sie sich einem Buch. Dabei sind Bücher für die Grafikerin Pitscheider mehr als nur Lesestoff. Sie, die früher selbst Bücher gestaltet hat, kauft mitunter auch welche, die ihr von Aussehen und Gestaltung her gut gefallen, selbst wenn sie nicht zur bevorzugten Lektüre gehören, zuletzt „Die Apple-Story“. Über die eigenen Wahlplakate habe sie „immer wieder drübergeschaut“, mehr sei sich nicht ausgegangen, sagt die grüne Spitzenkandidatin. Egal wie gut die Plakate aus fachlicher Perspektive sind, sie sollen helfen, die Grünen zur stärksten Fraktion im Gemeinderat zu machen. Das sei das Hauptziel für die Wahl. „Sollten es mir die Menschen zutrauen, wäre das Bürgermeisteramt das i-Tüpfelchen“, schmunzelt Pitscheider.




Kommentieren