Letztes Update am Do, 21.03.2013 19:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Umfrage

Auf der Suche nach dem Chef-Bonus

Zwar liegt VP-Obmann Günther Platter bei der hypothetischen Landeshauptmann-Direktwahl weit vor seinen Konkurrenten, aber hinter seiner Partei. Einen Amtsbonus erkennt Meinungsforscherin Karmasin nicht.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Was Erwin Pröll in Niederösterreich hat, liegt jenseits vom Amtsbonus. „Er ist eine Ausnahmeperson. Da gibt es österreichweit keinen Vergleich“, meint Sophie Karmasin. Das Institut hat im Auftrag der TT 500 Tirolerinnen und Tiroler befragt. Wenn man den Landeshauptmann direkt wählen könnte, dann würden 34 Prozent der Befragten Günther Platter ankreuzen. Damit deklassiert der VP-Parteichef seine politische Konkurrenz bei Weitem. SP-Chef Gerhard Reheis können sich gerade noch zehn Prozent auf dem LH-Sessel vorstellen. Dannach geht es noch einmal rapide bergab: nur noch vier Prozent für die grüne Spitzenkandidatin Ingrid Felipe und „Vorwärts Tirol“-Chef Hans Lindenberger (siehe Grafik).

Auch wenn Erwin Pröll österreichweit alles überstrahlt, lassen sich die 34 Prozent dennoch einordnen. Platter liegt, wenn auch nur knapp, hinter seiner Partei. Die VP erreicht in der aktuellen Umfrage 35 Prozent. „Normalerweise ist das umgekehrt“, meint Karmasin. Von einem Amtsbonus Platters könne man daher nicht sprechen.

Seit Ende Mai hat Platters Partei den niedrigsten Wert eingefahren. So tief lag die ÖVP in den Umfragen noch nie. Die Motivforscherin führt das darauf zurück, dass so viele neue Gruppierungen wie noch nie in Tirol antreten. „Da kann die ÖVP nur verlieren. Alles andere wäre erstaunlich.“ Elf Listen werben am 28. April um die Stimmen der rund 535.000 Wahlberechtigten. Tagesaktuelle Geschichten wie beispielsweise das Thema Agrargemeinschaften würden weniger eine Rolle spielen.

Vor allem „Vorwärts Tirol“ macht laut Karmasin der ÖVP zu schaffen. „Die Gruppierung ist bürgerlich positioniert. Das sind keine Unbekannten, die da auftreten.“ Mit Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer habe die Gruppierung eine prominente Galionsfigur. Oppitz-Plörer ist zwar Gründungsmitglied von „Vorwärts“, tritt aber bei der Wahl nicht an. Spitzenkandidat ist der ehemalige rote Landesrat Hans Lindenberger.

Für Karmasin stellt „Vorwärts“ dennoch „ein neues Gegenprogramm zur ÖVP“ dar. 2008 sei das noch Fritz Dinkhauser gewesen, jetzt übernehme die neue Partei diese Funktion. „Vorwärts“ liegt derzeit bei neun Prozent, die Liste Fritz bei fünf Prozent. Sie würde damit wieder in den Landtag einziehen.

An zweiter Stelle laut TT-Umfrage liegt die SPÖ mit 15 Prozent. „Die Partei stagniert und geht thematisch im Konzert ,Alle gegen die ÖVP‘ unter“, meint Karmasin. Tatsächlich kommt die Partei auch unter der neuen Führung nicht wirklich vom Fleck. 15 Prozent entsprechen dem Wahlergebnis von 2008.

Eine „gute Entwicklung“ stellt Karmasin bei den Grünen fest. Sie legen im Vergleich zu 2008 zu und erreichen derzeit 14 Prozent. „Die müssen erst einmal realisiert werden.“ Die Grünen sind Umfrage-Weltmeister. Dort liegen sie oft höher, als dann das Wahlergebnis ist. Die Motivforscherin sieht jedenfalls für die Grünen das Ende der Fahnenstange erreicht. „Sehr viel mehr ist da nicht drinnen.“

Ganz schwer hat es aus Sicht der Motivforschung die FPÖ. Ihre Wähler wollen bei den Siegern dabei sein. „Man ist selbst nicht so erfolgreich, dann soll es wenigstens die Partei sein.“ In Niederösterreich und Kärnten haben die Blauen massive Verluste eingefahren. Auch in Tirol liegen sie unter dem Wahlergebnis von 2008 bei neun Prozent. „Das kann eine Sogwirkung weiter nach unten auslösen.“ Der Bundestrend ist abträglich für die Partei. Noch dazu kommt das Team Stronach, das im selben Wählerteich fischt. Derzeit liegt die Stronach-Truppe bei sechs Prozent. Wahlprogramm wurde noch keines präsentiert, ebenso wenig wie der Spitzenkandidat.

Nicht mehr im Landtag vertreten wäre Fritz Gurgiser mit seinem Bürgerklub. Chancenlos sind laut Umfrage auch die KPÖ, die Piraten und Für Tirol. Karmasin gibt noch eines zu bedenken: Wahlprognosen seien aufgrund der vielen Listen und der kleinen Stichproben „wahnsinnig schwer zu machen“.




Kommentieren