Letztes Update am Sa, 15.09.2012 16:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Land lehnt Golfplatz Axams ab

Umweltbescheid negativ: Für die Umweltschutzabteilung des Landes ist die 9-Loch-Anlage „Axams-Grinzens“ nicht genehmigungsfähig. Die Sonderwidmungen fehlen, eine hohe touristische Attraktivität ist nicht gegeben.



Von Peter Nindler

Axams, Grinzens – Der Abschlag ging endgültig daneben. Denn seit 11. September liegt der negative Bescheid über die Umweltverträglichkeitsprüfung für den geplanten Golfplatz Axams-Grinzens vor. Auch die von der Betreibergesellschaft, der Feriendörfer Golf GmbH Axams, umgesetzten Nachbesserungen konnten die Umweltschutzabteilung des Landes nicht umstimmen. Gegen den Bescheid kann jetzt Berufung beim Umweltsenat eingebracht werden.

Schon seit Jahren ist im westlichen Mittelgebirge von Innsbruck ein 9-Loch-Platz mit einem Clubhaus, einem Restaurant, einer Driving Range sowie 77 Parkplätzen geplant. Auf einer Fläche von rund 33,4 Hektar, die derzeit überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, soll der Golfplatz errichtet werden. Davon entfallen 19,79 Hektar auf die Gemeinde Grinzens und 13,62 Hektar auf Axams. Die Investitionssumme beziffert die Betreibergesellschaft mit 2,8 Millionen Euro.

Aber schon nach der mündlichen Verhandlung am 28. Juni zeichnete sich eine negative Entscheidung des Landes ab. Bereits damals wurde nach dem jetzt vorliegenden Ablehnungsbescheid „unwidersprochen festgestellt“, dass die für den Golfplatz erforderlichen Sonderflächenwidmungen nicht vorliegen. Das stellt für die Behörde ein Ausschlusskriterium für die Genehmigung dar. „Somit steht ein zwingendes materienrechtliches Genehmigungshindernis der Erteilung einer Genehmigung nach dem UVP-Gesetz 2000 entgegen. Dieser Mangel kann auch nicht durch Auflagen, Bedingungen, Befristungen, Projektmodifikationen oder Ausgleichsmaßnahmen behoben werden“, begründete die Umweltschutzabteilung ihre Ablehnung.

Gleichzeitig wird von schwerwiegenden Eingriffen in den Naturraum gesprochen. Angesichts der geringen Ausgleichsmaßnahmen im Verhältnis zum permanenten Lebensraumverlust wird die Restbelastung für den Bereich Naturkunde (Schutzgüter Tiere, Pflanzen und Ökosysteme) ebenso wie für das Landschaftsbild als nicht vertretbar eingestuft. Bedenken kommen auch von der Landwirtschaft. Zu viele hochwertige landwirtschaftliche Produktionsflächen würden nämlich durch die Errichtung des Golfplatzes verloren gehen­.

Probleme bereiten überdies Sicherheit und Lärm. Beim Lokalaugenschein habe sich ergeben, dass bei Verwirklichung des Golfplatzes in der eingereichten Form eine Gefährdung öffentlicher Verkehrsflächen durch fliegende Golfbälle bestehe, führt die Behörde aus. Der für die Lärmmessung zuständige Amtssachverständige hat seinerseits erklärt, dass nach wie vor keine ausreichenden Antragsunterlagen vorliegen, um ein schalltechnisches Gutachten zu erstellen.

Kritisch wird letztlich der touristische Wert des Vorhabens beurteilt, weshalb das öffentliche Interesse für den Bau der Golfanlage nicht gegeben ist. Das ernüchternde Resümee des Sachverständigen für Raumordnung und Tourismus: Das Vorhaben weist keine hohe touristische Attraktivität auf und wird „zu keiner entscheidenden Veränderung der touristischen Nachfrage (Nächtigungen) in der Region“ führen. Eine von den Betreibern beantragte Fristerstreckung bis Ende Oktober, um weitere Unterlagen beizubringen, wurde abgelehnt. Trotzdem gibt es noch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Laut Umweltabteilung steht bei geänderter Sach- bzw. Rechtslage, insbesondere bei Vorliegen entsprechender Flächenwidmungspläne, einem allfälligen Neuantrag der Betreibergesellschaft nichts im Wege.

Detail am Rande: Die Golf-Gesellschaft sowie die Gemeinden Axams und Grinzens­ haben bisher 280.000 Euro in Gutachten und Planung gesteckt.




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