Letztes Update am So, 04.11.2012 10:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sisyphusarbeit oder Verfall

Das denkmalgeschützte Hotel Hochfinstermünz ist verwaist und verwahrlost. Selbst Denkmalschützer sehen schwierige Aufgabe. Bezirksgericht plant ein Schätzgutachten.



Von Helmut Wenzel

Nauders – Zimmer mit Fließwasser 20 bis 25 Schilling, Mittagessen 16 bis 25 Schilling, Spezialarrangements für Familien und Gesellschaften. So offerierte Wirtin Emmi Priebsch die Leistungen ihres Hauses in den 50er- und 60er-Jahren. Damals stand die einst als schönstes und bestes Hotel zwischen Landeck und Meran beworbene Herberge noch in der Blütezeit.

Heute droht dem Hotel Hochfinstermünz der Verfall. Längst haben Einbrecher geplündert, was nicht niet- und nagelfest war. Die pflegebedürftige und kinderlose Wirtin lebt in einem Seniorenzentrum und hat einen Sachwalter (für die TT allerdings nicht erreichbar). Erbberechtigte Verwandte sollen sich im Ausland befinden.

„Natürlich haben wir Interesse, dass dieses Hotel und die umliegenden Objekte wieder aufleben“, betont Hermann Klapeer, Präsident des Vereins Altfinstermünz, der seine Energie mehr als zehn Jahre in die Restaurierung der historischen Wehranlage am Inn gesteckt hat, „eigentlich müssten Hochfinstermünz und Altfinstermünz eine kulturelle Einheit sein. Das hat auch die Wirtin in früheren Gesprächen so gesehen.“

Mehr als diese unverbindliche Absichtserklärung habe es seither nicht gegeben. Der Verein Altfinstermünz sei jedenfalls nicht in der Lage, ein Revitalisierungsprojekt in die Hand zu nehmen. „Wer immer das Hotel kauft oder übernimmt, kauft sich zunächst unheimlich viel Arbeit“, bemerkte Klapeer.

Auch Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt übt sich derzeit in Zurückhaltung. Zwar kann er sich Hochfinstermünz als „Einstieg in den Natur- und Kulturerlebnisplatz Altfinstermünz“ vorstellen, aber er fürchtet, dass man abwarten müsse, „bis das Objekt auf den Markt kommt“. „Vermutlich muss eine andere Initiative als der Verein Altfinstermünz aktiv werden. Ein starker Partner wäre der Tourismusverband.“ Auch eine behutsame Adaptierung des Hauses als „Retro-Hotel“ sei vorstellbar. Klapeer kann sich schwer vorstellen, dass aus dem Objekt allein ein Verkaufserlös erzielbar ist. Das Bezirksgericht Landeck will es jedoch genau wissen: Laut Gerichtsvorsteher Peter Zangerle ist ein Schätzgutachten geplant – getrennt nach Gebäude und Grundstücken.




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