Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2013


Stronach-Kandidat bleibt, wenn Geldspende kommt

Weil der Osttiroler Spitzenkandidat sich um einen guten Listenplatz geprellt sieht, wollte er gehen. Nun bleibt er unter einer Bedingung.

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© Oblasser



Von Catharina Oblasser

Iselsberg-Stronach – Platz 52 auf der Bundesliste: Das ist nicht gerade das, womit der Osttiroler Spitzenkandidat des Team Stronach, Robert Weichselbraun, gerechnet hat. „Es hat geheißen, ich komme auf der Bundesliste unter die ersten zwölf“, macht Weichselbraun kein Geheimnis aus seiner Enttäuschung. „Schließlich habe ich bei den Landtagswahlen relativ am besten abgeschnitten.“

Weichselbrauns Heimatgemeinde Iselsberg-Stronach war mit 17 Prozent landesweite Spitze, er selbst bekam knapp 300 Vorzugsstimmen – der zweithöchste Tiroler Wert im Team des Milliardärs.

Nach dieser Enttäuschung wollte er alles hinwerfen, schildert der Kandidat. Als sich das herumgesprochen habe, sei das Telefon heißgelaufen: „Frank Stronach selbst hat mich dreimal angerufen und mich gebeten, es mir zu überlegen. Auch Klubobmann Lugar hat sich gemeldet.“ Niemand habe ihm jedoch sagen können, wieso er auf der Bundesliste so weit nach hinten gerutscht sei. „Alle sagen, sie können nichts dafür.“

Laut Weichselbraun war der Listenplatz aber nicht das einzige Versprechen von Seiten des Team Stronach. Auch eine Geldspende für den Ederhof, ein Reha-Zentrum für Kinder nach Transplantationen, habe man ihm zugesagt. Dort ist Weichselbraun Geschäftsführer. „Ich hatte nämlich Sorge, dass nach meinem Eintritt in die Stronach-Partei der Ederhof dann von allen anderen Seiten nichts mehr bekommt. Da hat es geheißen: Wir geben dir was“, erinnert sich der Osttiroler. „Die Zusage habe ich schriftlich, als E-Mail von Jenewein.“

Über die Summe schweigt Weichselbraun. Aber er macht das Geld zur Bedingung, nun doch für die Partei weiterzuarbeiten. Außerdem solle Stronach wie versprochen einen Osttiroler Gründerwettbewerb ausrufen und Ausgleich für die Felbertauern-Sperre schaffen. Weichselbraun: „Ich will die drei Sachen, dann bleibe ich.“

Der Stronach-Landesobmann Walter Jenewein versteht die Vorgänge im Bezirk Lienz nicht. „Ich habe noch gar keine Verständigung von Weichselbraun, dass er und seine Leute aufhören wollen, weder mündlich noch schriftlich.“ Im Gegenteil: Er sei demnächst nach Osttirol unterwegs, um den Team-Mitarbeitern Werbematerial zu bringen.

Wie es um die Spende für den Ederhof bestellt sei, kann Jenewein auch nicht sagen: „Ich selbst dürfte eine solche Zusage gar nicht machen. Aber wir waren Anfang August beide bei Frank in Ebreichsdorf. Warum hat Weichselbraun ihn nicht gleich selbst nach diesem Geld gefragt?“ Ebenso wenig weiß der Landesobmann, warum der Osttiroler so weit hinten auf der Bundesliste landete. „Da ist irgendwas passiert. Klubobmann Lugar hat sich eh schon bei Weichselbraun entschuldigt.“ Außerdem müsse ein Kandidat in erster Linie für seine Region arbeiten „und nicht für seinen sicheren Listenplatz“.




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