Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2013


Opposition fährt auf Osttirol ab: Zügig zum Sonderlandtag

Aus für Direktzug zwischen Lienz und Innsbruck ist politische Lokomotive für Sonderlandtag. ÖVP ortet Wahlkampfgetöse vor Nationalratswahl.

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© Liste Fritz



Von Peter Nindler

Innsbruck – SPÖ, Vorwärts Tirol, FPÖ und Liste Fritz zückten gestern die emotionale Karte: „Der Direktzug ist das politische Symbol für die Verbindung in die Landeshauptstadt. LH Günther Platter (VP) unterschätzt das“, begründete die Lienzer Bürgermeisterin und SP-Abgeordnete Elisabeth Blani­k die Einberufung eines Sonderlandtags. Der wird am 27. August stattfinden. Die Klubchefin der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider, spricht von einem Affront gegenüber allen Osttirolern. „Streichen Platter, die grüne Mobilitätsreferentin Ingrid Felipe und Co. trotzdem den Direktzug, dann wissen alle Osttiroler und viele Nordtiroler, die den Zug ebenfalls benützen, was sie von dieser Landesregierung zu halten haben.“ Für LA Rudi Federspiel (FPÖ) ist Osttirol eine Herzensangelegenheit, für LA Josef Schett (Vorwärts) geht es um das Selbstverständnis der Osttiroler.

Die Opposition wirft der Landesregierung Versäumnisse in der Vergangenheit vor. Mit dem Land Südtirol sei zu wenig verhandelt, die Direktverbindung einfach vernachlässigt worden. Rund 2,7 Mio. Euro kosten die täglich zwei Zugpaare von und nach Lienz. Die Busse, für die 1,2 Millionen Euro aufgewendet werden müssen, könnten das niemals ersetzen.

Ex-LHStv. Toni Steixner (VP) habe den Beschluss für das Ende des Direktzugs zu verantworten, „die Landesregierung kann ihn jedoch wieder rückgängig machen“, betont Haselwanter-Schneider. Blanik verweist darauf, dass das Dilemma mit dem Direktzug den Umgang der Landesregierung mit den ländlichen Regionen symbolisiere.

Mit dem Sonderlandtag, in dem der Erhalt der Direktverbindung gefordert wird, will die Opposition der Landesregierung für die Verhandlungen mit Südtirol am 10. September den Rücken stärken.

Felipe erwartet sich vom Sonderlandtag „viele konstruktive Ideen“. Auch sie hofft, dass der Direktzug „lieber früher als später“ wieder auf Schiene ist. „Nur mit einem Federstrich geht das nicht, das weiß auch die Opposition.“ Es gebe eben verschiedene Systempartner wie ÖBB oder das Land Südtirol, mit denen eine Einigung erzielt werden müsse. Auch Felipe bedauert, dass die Direktverbindung ausgehungert worden sei und die ÖBB letztlich kein Interesse mehr daran haben. „Das haben wir in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Es braucht eine effiziente und finanzierbare Nutzung.“

Am 4. September wird Felipe mit den Vertretern aller Landtagsklubs über die weitere Vorgangsweise beraten, am 10. September verhandelt die grüne Landeshauptmannstellvertreterin mit Südtirols Verkehrslandesrat Thomas Widmann über die Wiedereinführung des Direktzugs.

Die ÖVP will den Sonderlandtag dafür nützen, „um unsere Initiativen für den Bezirk noch einmal darzulegen“, erklärt VP-Klubchef Jakob Wolf. Ein Hilfspaket von 25 Millionen Euro wurde nach der Felbertauernsperre geschnürt. Der Sonderlandtag sei jedoch insgesamt in die Kategorie Wahlkampfgetöse vor der Nationalratswahl einzuordnen, weil Ingrid Felipe die Landtagsklubs beim Thema Direktzug ohnehin intensiv einbinde.




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