Letztes Update am Di, 02.04.2013 11:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Politisches Erdbeben kündigt sich an

Bei einer von der Tiroler Tageszeitung durchgeführten repräsentativen Umfrage zur Landtagswahl liegt Vorwärts Tirol im Außerfern mit 37,5 Prozent in Führung. Die ÖVP kommt nur noch auf 28,6 Prozent.

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Von Helmut Mittermayr

Reutte – Das Außerfern ist „Annaland“. Mit dem Antreten von Anna Hosp bei der Landtagswahl dürfte im Bezirk Reutte kein Stein auf dem anderen bleiben. Die Frontfrau von Vorwärts Tirol zerreibt die Volkspartei im Nordwesten Tirols. Am Gründonnerstag wurden im Auftrag der Tiroler Tageszeitung 415 Außerferner telefonisch zur ihrem Wahlverhalten befragt. Die Umfrage ist repräsentativ, die Schwankungsbreite beträgt vier Prozent.

Das Ergebnis stellt alles bisher Bekannte auf den Kopf. Vorwärts Tirol erreicht bei jenen, die sich deklariert haben, eine Zustimmung von 37,5 Prozent. Der ÖVP, die vor fünf Jahren mit Spitzenkandidatin Anna Hosp noch auf 55,82 Prozent gekommen war und damit das beste Ergebnis aller Bezirke eingefahren hatte, steht diesmal ein großer Aderlass bevor. Die Volkspartei erreicht bei der Sonntagsfrage nur 28,6 Prozent. Ein weiterer Verlierer dürfte die Liste Fritz sein. 2008 hatte Dinkhauser im Außerfern noch 17,01 Prozent bekommen, in der TT-Umfrage schauen magere 2,70 Prozent heraus. Kämpfen muss auch die FPÖ. Sie rutscht von 7,50 auf 3,09 Prozent zurück. SPÖ mit 12,4 Prozent und Grüne mit 8,9 Prozent könnten gegenüber der Wahl vor fünf Jahren jeweils leicht zulegen, wenn sich die Umfrage bewahrheiten sollte. Der Liste Gurgiser mit LA Thomas Schnitzer aus Ehrwald werden 1,93 Prozent gegeben. Für Tirol mit Landesführer Patrick Pfurtscheller 0,77 Prozent. Das Team Stronach käme auf Anhieb auf 3,7 Prozent, die Kommunisten auf 0,39 Prozent.

Interessante Detailergebnisse (allerdings mit der Unsicherheit einer großen Schwankungsbreite behaftet) kommen aus den Talschaften. Im Großraum Reutte und Lechtal liegt Anna Hosp beträchtlich vor der ÖVP, im Tannheimer Tal herrscht Gleichstand und im Zwischentoren gilt noch die alte Ordnung. Dort kommt die ÖVP in der Umfrage auf 38, Vorwärts nur auf 23 Prozent.

Statistisch relevante Unterschiede im Wahlverhalten zwischen Männern und Frauen sind in der Umfrage nicht auszumachen. Je älter, desto Hosp könnte auch eine Interpretation lauten. Die meisten Unentschlossenen gehören zur Gruppe der jungen Wähler und Wählerinnen.

Bei den (nicht hochgerechneten Rohdaten) fällt auf, dass eine große Gruppe noch mit der Frage hadert, ob sie der ÖVP oder Vorwärts Tirol die Stimme geben soll. Gleich 9,94 Prozent trifft diese Entscheidung möglicherweise erst in der Wahlzelle. Viele Außerferner werden auch trotz eines Angebotes von zehn Listen nicht zur Wahl gehen, wie aus den Befragungen zu hören war. Sie sind in den 27,96 Prozent subsumiert, die unter anderem keine Angaben machen wollten.

Univ.-Prof. Ferdinand Karlhofer, der Leiter der Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck,“ spricht nach Durchsicht der Daten von „einer schallenden Ohrfeige für die Mutterpartei. Für Hosp ist noch mehr möglich“. Bei den Außerferner Wählern habe mit dem „Rauswurf der ehemaligen VP-Größe Hosp“ ein Entfremdungsprozess zur ÖVP eingesetzt. „Vorwärts Tirol wird außerdem als ein Flügel der ÖVP wahrgenommen. Lindenberger hin oder her, Vorwärts ist einfach auch ÖVP“, gibt es für ihn nichts an der Einordnung der Gruppe zu deuteln. Den Umfrageerfolg – „das ist eine Momentaufnahme, und trotzdem mehr“ – sieht der Politikwissenschafter auch in den Emotionen, die Anna Hosp wecken könne. „Ihr Kampf berührt die Menschen. Dabei hat Vorwärts noch nicht einmal mit dem Wahlkampf begonnen“, wundert sich Karlhofer.




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