Letztes Update am Mi, 13.03.2013 22:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiroler Anwalt übernimmt das Steuer der Air Alps

Zukunft der Air Alps entscheidet sich laut Interims-Chef Gast diese Woche. Hälfte des Stammkapitals „verloren“, Abstoßen der Airline „keine Priorität“.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Nach einem Konzessions-Streit hatte die Air Alps am 1.12.2012 ihre letzte verbliebene Strecke Bozen–Rom verloren und seither kein Flugzeug in der Luft. Die Zukunft der Air Alps könnte sich aber in den nächsten Tagen entscheiden, sagt Günther Gast. Der Anwalt der Innsbrucker Kanzlei CHG (Schwerpunkt: Fusionen, Übernahmen) wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung zum Interims-Geschäftsführer der finanzmaroden Airline bestellt. Er löst Oliver Ladurner ab, dem bis zum Vertragsende Ende September 124.000 Euro netto an Lohn, Sonderzahlung und Abfertigung zustehen.

In der Generalversammlung wurde der Auftrag für Interims-Chef Gast fixiert: Kostensenkung, Verwertung von nicht betriebsnotwendigem Vermögen sowie die Teilnahme an der Neuausschreibung der Strecke Bozen–Rom. Auch wurde bekannt, dass die Hälfte des Stammkapitals der Gesellschaft „verbraucht“ bzw. „verloren gegangen ist“.

„Die Ausgangslage ist keine gute“, schildert Gast gegenüber der TT: „Ich habe den Auftrag bekommen, vier Zukunftsszenarien zu entwickeln. Ein Projekt ist bereits weit gediehen. Ich gehe davon aus, dass Air Alps heuer wieder fliegt.“ Auch das Abstoßen der Airline gehört zu den Optionen. „Es ist aber nicht mein primärer Auftrag, die Air Alps loszuwerden“, stellt Gast klar.

Für die Strecke Bozen–Rom werde sich die Air Alps unter den gegebenen Bedingungen aber nicht bewerben. „Die ausgeschriebenen Rahmenbedingungen machen eine Bewerbung nicht möglich“, so Gast. Wie berichtet, hatte die Südtiroler Landesregierung etwa Höchstpreise festgesetzt (116 bis 136 Euro), ebenso wie Fluganzahl (werktags viermal, an Wochenenden zweimal täglich). Zudem müssen die Flugzeuge mindestens 50 Passagieren Platz bieten. Gast: „Wir haben nur 30-Sitzer. Zudem wäre der Zuschuss für diese geförderte Strecke geringer als in der Vergangenheit, ebenso der Höchstpreis. Ich gehe davon aus, dass es gar kein seriöses Angebot geben wird.“

An der Eigentümerstruktur – 76 % Welcome Air, 24 % ein Südtiroler Konsortium um Speckkaiser Franz Senfter – soll sich vorerst nichts ändern. „Die Welcome Air wäre aber interessiert, die restlichen Anteile zu übernehmen“, so Gast. Derzeit hat die Air Alps drei Flugzeuge und neun Crews, die teils von der Lohnausgleichskasse in Italien bezahlt werden. 2011 schrieb die Airline 3 Mio. Euro Verlust. Das Eigenkapital war mit 3 Mio. Euro negativ. Der Schweizer Finanzverwalter REMI rettete als Eigentümer der Welcome-Air die Air Alps mit einer Patronatserklärung vor dem Gang in die Insolvenz.




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