Letztes Update am Mo, 17.06.2013 08:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bayern starten Milchtour in Tirol

Der Milchmarkt ist in Bewegung. Bayerische Molkereien haben wegen steigender Biogaserzeugung zu wenig Milch und strecken ihre Fühler nach Oberösterreich, Salzburg und Tirol aus. Weitere Bauern wollen nach Sterzing liefern.



Von Peter Nindler

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Innsbruck – Die Liberalisierung am europäischen Milchmarkt schreitet zügig voran. Das muss auch die seit 2001 zum oberösterreichischen Berglandmilchkonzern gehörende Tirol Milch zur Kenntnis nehmen. 220 der 350 Millionen Kilogramm Milch, die in Tirol erzeugt werden, verarbeitet die Tirol Milch. Dass 195 Wipptaler Bauern ab April 2014 ihre Milch zum Milchhof Sterzing liefern wollen, hat die Debatte über die Zukunft der Milchwirtschaft angeheizt.

Trotz der Sorgen in der alpinen Landwirtschaft über das Auslaufen der Milchquotenregelung 2015: Der Rohstoff Milch ist international derzeit begehrter denn je. „In Frankreich und Deutschland wird weniger Milch produziert, zum anderen gibt es steigenden Bedarf in China und Ausfälle durch Trockenheit und Dürre in Australien oder Neuseeland“, sagt der Obmann der Tirol Milch Stefan Lindner. Das wirkt sich positiv auf die Preise aus, doch vor allem aus Bayern drohen Abwerbungsversuche heimischer Milchlieferbetriebe.

Die steigende Biogaserzeugung verringert in Bayern zusehends die Ackerflächen und somit die Weideflächen für die Milchkühe. Den bayerischen Molkereien geht die Milch aus, „sie blicken deshalb über die Grenze nach Österreich“, sagt Lindner. In Oberösterreich ist die Berglandmilch bereits massiv damit konfrontiert, jetzt soll es erstmals im Tiroler Unterland konkrete Bestrebungen bayerischer Milchverarbeitungsbetriebe geben. Milchbauern werden mit lukrativen Milchanlieferungsangeboten gelockt. Konkret geht es um Bauern mit großen Milchkontingenten im Raum Langkampfen.

Lindner bezeichnet den zunehmenden Wettbewerb „als herausfordernde Motivation. Wir versuchen deshalb, gute Erzeugerpreise und langfristige Sicherheiten zu gewährleisten.“ Er geht deshalb davon aus, dass es keinen großen Aderlass im Unterland geben werde. Auch im Wipptal wolle man weiterhin Überzeugungsarbeit leisten. „Dass die Bauern zwölf Cent mehr bekommen, stimmt so nicht.“ Schließlich müssten sie die Transportkosten nach Sterzing selbst übernehmen, die Genossenschaftsanteile in Sterzing finanzieren und die dreijährige Treueprämie im Zusammenhang mit der Fusion Tirol Milch und Bergland Milch zurückzahlen.

Allerdings wollen nicht nur die Wipp- und Stubaitaler Bauern in Sterzing andocken, sondern zuletzt klopften auch Bauern aus der Region Kematen in Sterzing an. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger bestätigte gegenüber der Tiroler Tageszeitung, dass es bereits Anfragen gebe. Eines stellte Tirol-Milch-Obmann Lindner klar: „Wenn Bauern aus dem Wipptal ihre Milch nicht nach Sterzing liefern wollen, werden wir sie selbstverständlich nach wie vor abholen.“




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