Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.08.2013


Sotschi-Auftritt kostet zwei Mio. Euro

Die Vertragsunterzeichnung zwischen Tirol Werbung und ÖOC für das „Austrian Tirol House“ bei den Winterspielen in Sotschi wurde gestern abgesagt. Margreiter weist starke Bedenken an Finanzierung zurück.

© tirol werbung spießHeimeligkeit in der Fremde: Schwimm-Aushängeschild Markus Rogan, TV-Koch Alexander Fankhauser und ÖOC-Boss Karl Stoss (v. l.) tischten 2012 im Österreicher-Haus in London auf. Das Sotschi-Pendant für die Olympischen Winterspiele 2014 steht derzeit im Kreuzfeuer der Kritik.Foto: Tirol Werbung/Spiess



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Verschoben. Auf unbestimmte Zeit. Die auf der Bergiselschanze geplante Vertragsunterzeichnung zwischen Josef Margreiter (Geschäftsführer Tirol Werbung) und Karl Stoss (Präsident Österreichisches Olympisches Komitee, ÖOC) zur Kooperation beim „Austria Tirol House“ für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 wurde gestern Knall auf Fall abgesagt. Schuld war auch die anhaltende Kritik an dem Nutzen des „Austria Tirol House“. So auch aus der Stadt Innsbruck. Wie berichtet, hatte BM Christine Oppitz-Plörer (FI) eine finanzielle Beteiligung (25.000 €) abgelehnt. Dieses Geld solle stattdessen für die im Februar 2014 anstehenden Feierlichkeiten zum 50-Jahr-Jubiläum der Olympischen Spiele in Innsbruck verwendet werden. Darüber hinaus forderte Grünen-Klubobmann LA Gebi Mair, dass kein einziger Landes-Euro nach Sotschi fließen solle.

Margreiter versteht die Aufregung der vergangenen Tage nicht. Das Austria Tirol House habe sich bei seinem letzten Einsatz in London 2012 (Olympische Sommerspiele) bestens bewährt. Dem pflichtet ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel, der gestern nach Innsbruck angereist war, bei: „Olympia ist eine irre Werbeplattform. Da geht es primär um die Bedürfniszielgruppen und nicht um die Einheimischen vor Ort.“ Für die Absage zeige das ÖOC zwar Verständnis, die jüngsten Wirren seien aber eine rein „Tiroler Sache“, die es zu lösen gelte. Man würde es aber begrüßen, wenn die Olympiastadt Innsbruck in Sotschi mit von der Partie sei. Selbiges soll auch das Land einfordern.

„Wir wollen, dass die Stadt Innsbruck und das Sportland Tirol in Sotschi Flagge zeigen“, will Margreiter mit Oppitz-Plörer noch das Gespräch suchen, bevor erneut zur Vertragsunterzeichnung geladen werde. Wenngleich es für Margreiter keine offizielle Finanzabsage aus Innsbruck geben könne, weil „wir ja noch nicht einmal ein Projekt präsentiert haben“. Er habe lediglich bei einer Gelegenheit den Wunsch auf eine finanzielle Beteiligung der Stadt am Österreich-Tirol-Haus deponiert. Mehr nicht. Margreiter erinnert aber die Stadt daran, wem sie ihre weltweite Bekanntheit zu verdanken habe. Und das seien nun einmal für ihn ausschließlich die Olympischen Spiele.

Finanziell sei man für den Sotschi-Auftritt nicht auf die Stadt angewiesen, sagt Margreiter: „Die Finanzierung ist unter Dach und Fach.“ Das bestätigt auch Mennel, dessen ÖOC das Austria Tirol House organisiert: „Das Haus ist ausfinanziert.“ Damit bestreiten Margreiter und Mennel Gerüchte, wonach die Finanzierung nur wenige Monate vor dem Großereignis auf wackeligen Beinen stehen soll. So wurde gestern kolportiert, dass die Eigentümer(vertreter) der Tirol Werbung, also Land und Wirtschaftskammer, bezüglich des Tiroler Beitrags starke Bedenken geäußert haben sollen.

Die Gesamtkosten des Sotschi-Auftritts, so Mennel, lägen bei rund zwei Millionen Euro. Die Tirol Werbung als Premiumpartner des ÖOC solle über eine Rahmenvereinbarung 500.000 Euro beitragen. 100.000 Euro davon würden über das Budget der Tirol Werbung beglichen, sagt Margreiter. Das sei aber auch schon der einzige öffentliche Beitrag. Durch TVB-Fördergelder, Partnerregionen (Bsp. Seefeld, Zillertal, Ischgl), Institutionen (Wirtschaftskammer) oder Firmen würde der Rest abgedeckt. „Das sichert die Sockelfinanzierung“, sagt Margreiter. Darauf aufbauend seien diverse Aktionen für in etwa weitere 500.000 € zu bestreiten. „Das wird alles kofinanziert, da stecken keine Sportfördermittel drinnen.“

Eine Frist für die Vertragsunterzeichnung gebe es nicht, sagt Mennel. Ein Notfallplan existiere: „Ich gehe aber davon aus, dass alles positiv abgeschlossen werden kann.“




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