Letztes Update am Mo, 13.05.2019 11:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Des Kaisers Zeug - Maximilians Zeughaus in Innsbruck

Im 500. Todesjahr Kaiser Maximilians I. wird dessen größtes Waffendepot, das Innsbrucker Zeughaus, in den Fokus gerückt. Die Sonderausstellung thematisiert die bewegte Geschichte des Gebäudes und seiner Umgebung und gewährt Einblicke in Räumlichkeiten, die ansonsten verborgen bleiben.

Die erste Station der Ausstellung vor dem Zeughaus.

© Wolfgang LacknerDie erste Station der Ausstellung vor dem Zeughaus.



Kaiser Maximilian I. ist vor allem für seine ausgeklügelten, dynastischen Schachzüge und die zahlreichen Kunstwerke, die er in Auftrag gegeben hat, bekannt. Mit prunkvollen Gemälden seiner Person wollte er für immer in Erinnerung bleiben. Weniger bekannt ist oft, dass Maximilian als „erster Kanonier" revolutionäre Methoden der Kriegstechnik übernommen hat. Schwarzpulver erweiterte an der Wende zur Neuzeit sein Kriegsmaterial und betrieb die Geschütze, die bei Belagerungen und in Feldschlachten eingesetzt wurden. Um das Rüstzeug zu lagern, wurden sogenannte Zeughäuser gebaut.

Immer stärker wurde der Bedarf nach diesen Waffendepots, als gegen Ende des 15. Jahrhunderts anstatt feudaler Ritterheere vermehrt bezahlte Landsknechte für die Herrscher in den Krieg zogen. Da er ihnen Waffen und Ausrüstung zur Verfügung stellen musste, war es in Maximilians Interesse, diese sicher zu lagern. Im heutigen Stadtteil Dreiheiligen gab er um 1500 den Bau des „Zeughauses an der Sill" in Auftrag. „Das Zeughaus diente um 1500 als gewöhnliches Waffenlager. Heute beeindruckt der Bau nicht nur ob seiner mächtigen Architektur, sondern auch, weil er als wichtiger Zeuge der maximilianischen Zeit in Innsbruck gilt", so PD Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen.

Blick in die Ausstellung "Des Kaisers Zeug. Maximilians Zeughaus in Innsbruck".
Blick in die Ausstellung "Des Kaisers Zeug. Maximilians Zeughaus in Innsbruck".
- Wolfgang Lackner

Das Waffenlager wurde damals bewusst außerhalb des mittelalterlichen Innsbruck errichtet, um das explosive Schwarzpulver zu verwahren. Es löste mit der Zeit das alte Lager bei der Innbrücke ab und avancierte zum umfangreichsten und bedeutendsten Arsenal des Habsburgerreiches unter Maximilian. Heute stellt es dessen größten vollständig erhaltenen Zweckbau dar, der nicht durch Zufall in Innsbruck liegt, hat Maximilian doch Tirol zu seinem herrschaftlichen Zentrum und Innsbruck als Residenzstadt auserkoren.

Der Innenhof des Innsbrucker Zeughauses mit der neu erbauten Außenstiege, die erstmals Zugang zum Dachboden gewährt
Der Innenhof des Innsbrucker Zeughauses mit der neu erbauten Außenstiege, die erstmals Zugang zum Dachboden gewährt
- Wolfgang Lackner

Eine Reise durch 500 Jahre

Die Sonderausstellung umfasst die Zeit von 1500 bis heute, von kaiserlichen Zeiten über die Eröffnung des Museums 1973 und das Hochwasser 1985 bis zum „Kino unter Sternen" im Innenhof, das auch diesen Sommer wieder tausende Besucherinnen und Besucher anziehen wird. „Das Open-Air-Kino verdeutlicht, dass das Zeughaus ein Teil der Innsbrucker Identität ist und bis heute für die Bevölkerung relevant. Wenn auch zu anderem Zweck als in maximilianischen Zeiten", so PD Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen. Ein Highlight der Ausstellung ist der terrestrische Laserscan des Zeughauses und seiner Innenräume. „Der 3D-Scan ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern eine spannende Auseinandersetzung mit dem spätmittelalterlichen Bau durch modernste Technologie. Wie auf einem Rundflug gelangt man durch die massiven Gemäuer des ehemaligen Waffenlagers in das gotische Turmzimmer und in den Dachboden", so Dr. Claudia Sporer-Heis, Kustodin der Historischen Sammlungen und Kuratorin der Ausstellung. Das Turmzimmer und der Dachboden werden für die Ausstellung erstmals zugänglich gemacht.

In Reproduktionen der Zeugbücher, die im Original in der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt sind, ist unter anderem das damals errichtete Gebäude mit Wassergraben, Zugbrücke, Palisadenzaun und Rondellen zu sehen. Darüber hinaus geben sie spannende Einblicke in die Kriegsausrüstung: Sie zeigen unter anderem Lanzen, Speere, Armbrüste und Gewehre sowie Maximilians Kanonen mit sprechenden Namen wie „die schöne Kattl", „Schnurrhindurch" oder „Leopard von Wilten". Insgesamt konnte mit dem im Zeughaus verwahrten Material ein Heer von 30.000 Mann ausgerüstet werden. Die meisten der Kriegsgegenstände, die zum Teil aus wertvoller Bronze gegossen waren, wurden später eingeschmolzen, um daraus neue Modelle oder andere Objekte herzustellen — spätmittelalterliches Recycling sozusagen.

Der Dachboden des Zeughauses, der über die neue Außenstiege erstmals öffentlich zugänglich ist.
Der Dachboden des Zeughauses, der über die neue Außenstiege erstmals öffentlich zugänglich ist.
- Wolfgang Lackner

Fundstücke aus der Umgebung

Im Innsbrucker Zeughaus sind einzelne Prachtstücke auch noch im Original zu begutachten, wie etwa ein Brustharnisch und steinerne Kanonenkugeln. Es waren Kinder, die 1974 am Nachbargrundstück rund um ein abgerissenes Gebäude herumtollten und zahlreiche der in der Ausstellung gezeigten Kanonenkugeln aufspürten. Sie brachten diese dem damaligen Museumsleiter, der daraufhin den Fundort aufsuchte und im Keller des Nachbarhauses große Mengen ausfindig machen konnte. „Derzeit laufen Grabungen auf der Nordseite des Zeughauses und man hofft, mehr über die Umgebung des Gebäudes zu erfahren", so Dr. Claudia Sporer-Heis.

Architektur: das Bauwerk im Fokus

Für die Gestaltung der Ausstellung wurde das ./studio3 - Institut für experimentelle Architektur der Architekturfakultät Innsbruck beauftragt. Das Ziel: das Bauwerk selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Dementsprechend reagiert das gestalterische Konzept auf die Architektur des Gebäudes und auf die Objekte und Inhalte, welche bei der Ausstellung präsentiert werden. Das Bauwerk, die darin vorhandenen Gegenstände und deren Lagerung wurden analysiert und in eine zeitgenössische Ausstellungarchitektur übersetzt. Zusätzlich wurden aus Darstellungen aus den „Zeugbüchern" sowie der Bemalungen der Tore im Zeughaus gestalterische Codes entwickelt, die sich durch die gesamte Ausstellung ziehen. Wichtig war dabei, eine kritische Haltung zu transportieren, in der nicht nur Heldentum und Kriegsruhm, sondern auch Themen wie Zerstörung und Zerbrechlichkeit verdeutlicht werden. Unterschiedliche Stationen im Haus und vor dem Museum erzählen die Geschichte des Gebäudes und seiner Umgebung, der „Kohlstadt". Für die kurze Entspannung zwischendurch sorgt ein kleines Pop-Up-Café.

Das Gedenkjahr zum 500. Todestag Kaiser Maximilians I. bietet auch den Anlass für eine genauere historische, bauanalytische und naturwissenschaftliche Untersuchung des Zeughauses, deren Ergebnisse im Rahmen einer Publikation am 3. Oktober 2019 präsentiert werden.

RAHMENPROGRAMM

KURATORINNENFÜHRUNG, 11 UHR:
So 14.7. und 3.11. mit Claudia Sporer-Heis

FÜHRUNG, 11 UHR:
So 12.5., 23.6., 18.8. und 8.9.

THEMENFÜHRUNGEN, 15 Uhr:
Fr 7.6. „Rund ums Zeughaus", mit Angelika Schafferer
Fr 19.7. „Wer, wann, wie?" — Erwerbungsgeschichten, mit Sonia Buchroithner
Fr 13.9. „Kaiserliche Zeughausgeschichte(n)", mit Claudia Sporer-Heis
Fr 27.9. „Ins Zeug gelegt" — Über die Ausstellungsarchitektur, mit Teresa Stillebacher, studio3 - Institut für Experimentelle Architektur

KINDER-FÜHRUNG „DER KAISER DENKT SICH WAS AUS", 15 UHR:
Sa 25.5. und 15.6.

KINDER-WERKSTATT „IN STEIN GEMEISSELT" — ARBEITEN MIT YTONG, 9 — 12 UHR:
Do 11.7., in Koop. mit dem Ferienzug der Stadt Innsbruck, ab 6 Jahre, mit Anmeldung

FAMILIENFEST, 11 — 18 UHR:
So 19.5., Mittelalterliche Handwerkstechniken, Spiele, Akrobatik, Familienwerkstätten, Märchen, Musik & Kulinarik im Zeichen der Zeit Kaiser Maximilians I., Eintritt frei

MUSIKTHEATER „DIE SIEBEN LEBEN DES MAXIMILIAN", 19.30 UHR:
So 30.6., Eintritt frei

KONZERT „ICH FAHR DAHIN MEIN STRASSEN. EIN FEST FÜR DEN KAISER", 18 UHR:
Fr 5.7., Werke von J. Desprez, H. Isaac, P. Hofhaimer, A. Willaert u. a., Capella della Torre, Katharina Bäuml (Leitung)

INTERAKTIVER SAGENRÄTSELPFAD, 9.30 — 16 UHR:
Sa 6.7. und So 7.7. „Die Abenteuer des Ritters Theuerdank", für Familien, Eintritt frei

TAG DES DENKMALS:
So 29.9., Spezialführungen, Eintritt frei

BUCHPRÄSENTATION „DAS MAXIMILIANISCHE ZEUGHAUS IN INNSBRUCK", 18 UHR:
Do 3.10., Eintritt frei

ORF-LANGE NACHT DER MUSEEN, 18 — 24 UHR:
Sa 5.10., Spezialprogramm

TAG DER OFFENEN TÜR, 9 — 17 Uhr:
Sa 26.10., Spezialprogramm, Eintritt frei

MUSEUM IM ZEUGHAUS

Zeughausgasse 1, Innsbruck
Di — So 9 — 17 Uhr
T +43 512 594 89-313
Kontakt für Gruppenführungen: T +43 512 594 89-111 oder info@tiroler-landesmuseen.at
WWW.TIROLER-LANDESMUSEEN.AT

EINTRITTSPREISE
Kombiticket für alle Häuser der Tiroler Landesmuseen: € 11, ermäßigt € 8;

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre, Schulklassen, Museumsvereinsmitglieder, mit Innsbruck Card, Kulturpass Tirol und dem Freizeitticket Tirol

Ermäßigter Eintritt für StudentInnen unter 27 Jahre, SeniorInnen, Gruppen ab 10 Personen, mit Ö1-Club Card, ÖBB Vorteilscard, ÖAMTC-Clubkarte u.a.