Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.11.2015


Tirol

Bloggen als Vollzeitjob

Internet sei Dank kann jeder sein eigenes Mini-Medium gestalten. Mit originellen Themen, handwerklichem Geschick und etwas Glück gelingt sogar eine richtige Karriere.

© asdfOb Food-, Mode- oder Lifestyle-Blogs: Die richtige Inszenierung hilft Verena-Annabella Raffl, um sich von der Masse abzuheben.Foto: WhoisMocca?



Von Marianna Kastlunger

Innsbruck – Die Tirolerin Verena-Annabella Raffl bloggt seit April 2013. In ihren Beiträgen geht es um Mode, Lifestyle und um ihre Französische Bulldogge Mocca, darum heißt ihr Blog auch „Who is Mocca?“. Seit Anfang dieses Jahres führt sie ihn hauptberuflich: „Ich habe ihn mir neben meinem Job als Grafikerin aufgebaut. Als ich sah, dass aus meinem liebsten Hobby mehr werden kann, wollte ich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen“, erzählt sie. Das Faszinierende an Blogs ist ihrer Meinung nach die Authentizität der Geschichten, mit denen sich die Leser identifizieren können. „Das ist schon ein ganzes Stück persönlicher als ein klassisches Online-Magazin oder eine Zeitschrift“, sagt Raffl, „als Bloggerin nehme ich die Leute im Alltag mit, so wird eine starke Bindung aufgebaut.“

Wie diese Bindung überhaupt entstehen kann, weiß Maximilian Gaub, Blog-Experte und Medienmarkenmacher. Im Prinzip könne jeder bloggen, der genug Liebe, Expertise und Leidenschaft für ein bestimmtes Thema aufbringt, aber man müsse auch die Leserschaft von sich überzeugen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. „Wichtig ist am Anfang zu recherchieren, welche Blogs es bereits zum gewählten Thema gibt“, sagt Gaub. Erst dann sei ein schärferes Profil erstellbar, damit sich der eigene Blog von den anderen unterscheidet. Verena Raffl wählte das Thema Mode: „Ich wollte einfach meine Outfits zeigen und habe diese kurz beschrieben“, sagt sie, mittlerweile hat sich ihre Leidenschaft sogar intensiviert.

Um sich von zahlreichen anderen Modeblogs abzugrenzen, wählte Raffl die persönliche Note und machte ihren Hund zum Protagonisten und Markenzeichen. Diese Art von Markenbildung ist einer der drei Schritte zum erfolgreichen Blog: „Die Themen sollen aktuell sein, einen Nutzwert für die Leserschaft erzeugen und Emotionen hervorrufen“, fasst Gaub zusammen. Unter Emotionen können auch gerne provokative und freche Noten einfließen. Als Beispiel nennt er seine These „Kinder sollen so früh wie möglich Smartphones nutzen“, ein polarisierendes Thema mit viel Diskussionspotenzial. Als Vater sei der Experte zusätzlich betroffen und interessiert. Und gerade solche und ähnlich spezielle Interessengruppen gilt es ausfindig zu machen und mit fachkundigen Inhalten zu bedienen: „Im Netz suchen die Leute nach den speziellsten und auch absurdesten Themen und Communitys, vom Tee-, Craft-Bier- bis hin zum Brettspielfan.“

Der Blogger muss also nicht die höfliche, sondern die interessierte Leserschaft ansprechen, zum Beispiel in Fangruppen in sozialen Netzwerken. Dieses Publikum zu finden, das Blogs mit Clicks belohnt, sei der schwierigste Teil der Vermarktung, „aber mit etwas Glück gelingt es sogar in sehr kurzer Zeit“, erklärt Gaub.

Sobald dann eine große Anzahl an Lesern erreicht wird, kommen die Unternehmen von selbst auf die Blogger zu. Diese bieten ihnen Produkte zum Testen an, sponsern Beiträge oder bezahlen für eine Linkplatzierung zum eigenen Webshop. Manche wiederum nutzen ihren Blog als Schaufenster für die eigene Arbeit und verkaufen ihre Expertise an Fachmedien.

Wie sieht dann der Alltag einer Profi-Bloggerin aus? Raffl findet es wichtig, regelmäßig präsent zu sein, und arbeitet täglich daran, auch an Wochenenden: „Das Internet schläft nicht, so auch nicht mein Blog und meine Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram.“ Den Tagesplan hat die 26-Jährige stets durchstrukturiert. Ihr Tag startet schon gegen 8 und endet gegen 21 Uhr, wobei sie nicht unbedingt durcharbeitet. Vormittags wollen administrative Sachen erledigt werden: E-Mails abarbeiten, neue Beiträge planen und Ideen sammeln gehören dazu. Nachmittags setzt die Modebloggerin dann neue Posts und Ideen fotografisch um, und abends schreibt sie die Beiträge für die kommenden Tage. Um immer am Laufenden zu bleiben, achtet sie immer auf aktuelle Trends, damit die Themen auch zur jeweiligen Jahreszeit passen, und plant ihre Beiträge bis zu einem Monat vor. Die Inspiration dazu holt sie sich im Internet, bei anderen Blogs oder auch auf der Straße.

Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist die Interaktion mit ihrer Leserschaft, Raffl hat sich nämlich vorgenommen, auf alle Kommentare zu antworten. Der Aufwand ist groß, aber es lohne sich: „So sieht der Leser auch, dass ich mich für ihn interessiere und es zu schätzen weiß, dass er meine Inhalte liest oder anschaut.“ Manchmal führt die Interaktion mit der Leserschaft auch zu Kritik, worauf die Bloggerin entspannt reagiert, um sie auch dankbar zur Kenntnis zu nehmen. „Konstruktive Kritik finde ich sehr spannend und so lernt man auch andere Ansichten kennen“, findet der Modefan.

Wie wichtig sind denn noch die handwerklichen Aspekte wie Text und Inszenierung fürs Bloggen? Raffl hat Medienjournalismus studiert und ist gelernte Grafikerin, was ihr sehr zugutekam. „Ansonsten war learning by doing angesagt, so kommt man auch am besten in die Thematik rein“, verrät sie. Viele Dinge, die sie nicht wusste, hat sie einfach im Internet oder bei anderen Bloggern erfragt: „Wenn man dazulernen will, dann ist das auch relativ leicht möglich.“