Letztes Update am Mi, 09.11.2016 14:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schattenwirtschaft

Bundesforste: Rumänische Forstarbeiter in Tirol ausgebeutet

Ein ORF-“Report“ zeigte prekäre Arbeitsbedingungen bei ausländischer Firma, die von ÖBf beauftragt worden war. Die Bundesforste verweisen auf strenge Standards und Kontrollen

AK-Chef Erwin Zangerl: „Wir brauchen lückenlosere und vor allem rigorosere Kontrollen und schärfere Strafen gegen diese schwarzen Schafe. Die Verstöße müssten auch im Ausland exekutierbar sein, wie dies etwa bei Verkehrsdelikten möglich ist."

© Andreas Rottensteiner / TTAK-Chef Erwin Zangerl: „Wir brauchen lückenlosere und vor allem rigorosere Kontrollen und schärfere Strafen gegen diese schwarzen Schafe. Die Verstöße müssten auch im Ausland exekutierbar sein, wie dies etwa bei Verkehrsdelikten möglich ist."



Wien, Innsbruck – Die Bundesforste (ÖBf) betonen in einer Aussendung, dass sie Aufträge nach strengen Standards vergeben. Grund für dieses Dementi ist ein kritischer Bericht des ORF-Report. Dort wurden schlechte Arbeitsbedingungen von rumänischen Forstarbeitern einer dort ansässigen Tochterfirma eines Vorarlberger Unternehmens gezeigt. Die Arbeiter wohnten in einem Wohnwagen direkt am Arbeitsplatz im Tiroler Wattental. Das Quartier wurde inzwischen geräumt.

Allein heuer haben die Bundesforste rund 3.800 Holzernteeinsätze österreichweit durchgeführt. Laut dem Fernsehbericht sehen sich die kleineren Forstbetriebe in Tirol benachteiligt, da über die EU-Entsenderichtlinie - laut ÖBf eben zu einem marginalen Anteil - auch ausländische Firmen beauftragt werden. 300 hätten deswegen einen Brief an Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) geschrieben. Dieser wollte sich aber weder im ORF noch auf APA-Anfrage zu den Inhalten des Fernsehberichts äußern; Rupprechter ist Eigentümervertreter der staatlichen Bundesforste.

Sieben-Tage-Woche, kein 13. und 14. Gehalt

Die Bundesforste ernten der Menge nach rund ein Viertel des Holzes aus ihren Wäldern selbst. Bei den ausgelagerten Ernten würden durchgerechnet 98 Prozent der Aufträge an heimische Firmen gehen. Derzeit beschäftigen die ÖBf rund 500 Firmen in der Holzernte. Am Beispiel Tirol rechnen die Bundesforste vor, dass 90 Prozent der beauftragten Firmen ihren Sitz in Österreich haben und 10 Prozent im Ausland. Diese 10 Prozent teilen sich auf die Herkunftsländer Deutschland (6,1 Prozent), Rumänien (2,3 Prozent) und Italien(1,6 Prozent) auf. Jedenfalls sind Auftragsvergaben über Schwellenwerten EU-weit auszuschreiben.

Ein wohl grundsätzliches Problem sprach der im ORF-Bericht am Dienstagabend gezeigte Arbeitsinspektor bezogen auf die vorübergehend im Wald wohnenden rumänischen Arbeiter wegen etwaiger Konsequenzen für den rumänischen Arbeitgeber an. Die Briefe würden schon in Rumänien ankommen, aber wohl nicht beantwortet werden. Er wisse nicht, wie die Strafverfolgung in Rumänien funktionieren solle.

Ein Tiroler Kleinunternehmer, der der Sache nachging, meinte im Fernsehen, dass die Rumänen ihre Entlohnung Ende des Monats in bar erhalten würden und dann unterschreiben müssten, dass sie Normalstunden eingehalten hätten. Dabei würden sie sieben Tage die Woche arbeiten, und keinen 13. und 14. Lohn erhalten. Sie seien nur angeblich KV-konform und der Entsenderichtlinie konform angestellt.

Berichte über Todesfälle

AK-Präsident Erwin Zangerl nahm den Bericht über die Vorfälle bei den Bundesforsten zum Anlass, generell auf die prekären Umstände hinzuweisen unter denen Leasingkräfte häufig arbeiten müssten. Zangerl fordert in einer Aussendung eine sofortige „Aktion scharf“ gegen Lohnsklaverei, Ausbeuterei, Sozialdumping und die immer massiver werdenden Probleme mit Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft. Zangerl: „Die Ausstattung bei den Arbeitsinspektoraten und der Finanzpolizei muss dringend verbessert werden, damit sie ihrem Auftrag auch nachkommen können.“ Diese Einrichtungen müssen gestärkt und nicht geschwächt werden, damit sie auf die Einhaltung der Gesetze achten und lückenloser kontrollieren können.

Besonders bedenklich sei die fehlende Kontrolle bei der Meldepflicht und deren laufende Umgehung mittels Leasing-Kräften aus den östlichen EU-Ländern und in der Folge mit den unwürdigsten Arbeits- und Lebensumständen, denen diese Arbeitnehmer ausgesetzt sind. Die AK weise seit Monaten auf diese Dramatik hin, geschehen ist bis jetzt immer noch nichts. Laut Zangerl würden Berichte über schwere Arbeitsunfälle und auch über Todesfälle vorliegen.

Die Ausbeutung von Arbeitskraft sei umso verwerflicher, als dadurch sämtliche Schutzbestimmungen unterlaufen bzw. missachtet würden. Die Arbeitnehmer müssten häufig unter unwürdigsten Bedingungen in Unterkünften hausen und das nicht selten direkt am Arbeitsplatz im Wald, in Wohncontainern auf Feldern, Baustellen oder im Lieferwagen. (APA, TT.com)