Letztes Update am Fr, 13.01.2017 16:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hintergrund

Kern fordert 1500 Euro Mindestlohn: Wen das betrifft

In seiner Grundsatzrede forderte Bundeskanzler Christian Kern einen Mindestlohn von 1500 Euro - brutto. Immerhin mehr als 350.000 Arbeitnehmer liegen aktuell mit ihrem Lohn darunter.

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Wien – Weniger als 1.500 Euro brutto pro Monat bzw. weniger als 8,67 Euro brutto per Stunde verdienen in Österreich rund 356.500 Beschäftigte. Dies hat die Statistik Austria in einer Sonderauswertung der Verdienststrukturerhebung 2014 ermittelt. Betroffen von den Niedriglöhnen sind zu zwei Drittel Frauen und zu einem Drittel Männer. Insgesamt sind es 12,2 Prozent aller Beschäftigten der Privatwirtschaft.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hat sich in seiner Grundsatzrede in Wels für einen Mindest-Bruttolohn von 1.500 Euro ausgesprochen, die Gewerkschaft fordert 1.700 Euro.

8,67 Euro pro Stunde – Teilzeit oder Vollzeit

Die Statistik Austria hat den Bruttomonatslohn von 1.500 Euro auf Vollzeitbasis (40 Stunden-Woche, 173 Stunden im Monat) auf einen Bruttostundenlohn von 8,67 Euro umgerechnet. Durch die Umrechnung auf den Stundenlohn können sowohl Voll- als auch Teilzeitbeschäftigte unabhängig von der jeweiligen Arbeitszeit betrachtet werden. Unter dem Bruttostundenlohn von 8,67 Euro lagen 149.100 Vollzeit- und 207.400 Teilzeitbeschäftigte.

Konkret fielen laut Statistik Austria 233.100 Frauen, das sind 17,9 Prozent aller unselbstständig weiblichen Beschäftigten, sowie 123.400 Männer, das sind 7,6 Prozent der unselbstständig männlichen Beschäftigten, unter die Verdienstgrenze.

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Berücksichtigt man, dass im Bereich „Handel“ und bei den „Finanz-und Versicherungsdienstleistungen“ die mittlere Stundenanzahl bei 167 Stunden im Monat lag, dann waren die Verdienste von sogar rund 400.000 oder 13,7 Prozent der Beschäftigen in der Privatwirtschaft niedriger als der Grenzwert.

Beherbergung und Gastronomie als Niedriglohnbranche

Als Niedriglohnbranche zeigt sich die Beherbergung und Gastronomie, wo 120.000 Beschäftigte bzw. 56,6 Prozent der Beschäftigten der ganzen Branche für weniger als den Bruttostundenlohn von 8,67 Euro arbeiteten. Trinkgelder wurden hier nicht berücksichtigt. Im Bereich „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Fahrzeugen“ waren 52.400 bzw. knapp jeder zehnte Beschäftigte von Niedriglohn betroffen. Im Bereich „sonstige wirtschaftsnahe Dienstleistungen“, zu dem u.a. Arbeitskräfteüberlassung, Wach- und Sicherheitsdienste oder Gebäudebetreuung zählen, waren 24,4 Prozent aller Beschäftigten bzw. 50.600 zu Niedriglöhnen tätig. Im Bereich „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ verdiente jeder Fünfte in der Branche bzw. 9.200 Personen unter dem Grenzwert.

Höhere Löhne werden in der Produktion und bei Banken und Versicherungen gezahlt: In der „Herstellung von Waren“ lagen nur 3,8 Prozent bzw. 20.900 Personen unter dem Bruttostundenlohn von 8,67 Euro, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen waren es 3,9 Prozent.

Die Daten beziehen sich auf die Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung 2014. Diese umfasst unselbstständig Beschäftigte in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten in der Privatwirtschaft. Die Berechnung enthält eine Zuschätzung für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten. Die Daten werden von den Unternehmen angegeben. Land- und Forstwirtschaft sowie der Öffentliche Dienst sind nicht erfasst. (APA)