Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.06.2017


Bezirk Reutte

Jugendliche werden von Firmen massiv umworben

Wer im Bezirk Reutte eine Lehre absolvieren will, hat beste Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Das wurde beim Berufsfestival deutlich.

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© Tschol



Von Simone Tschol

Reutte – Turbulent ging es gestern in der Wirtschaftskammer Reutte zu. Denn mit 350 Schülern der 3. Klassen der Neuen Mittelschulen, des Gymnasiums und einigen Absolventen der Polytechnischen Schule zog Leben ins Haus der Wirtschaft ein.

22 Unternehmer waren beim diesjährigen Berufsfestival vertreten. Von A wie Apotheke bis Z wie Zimmerei warben kleine und mittelständische Unternehmen für sich und mit Berufen zum Anfassen natürlich um die Gunst künftiger Lehrlinge. „Das Berufsfestival ist ein weiterer Mosaikstein, um die Lehre attraktiv zu machen“, erklärte WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler.

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Während es bislang vor allem das Hotel- und Gastgewerbe schwer hatte, Lehrlinge zu finden, ortet Gerold Mattersberger, Chef des Hotel Engel in Grän und Spartenobmann des Tourismus in der WK Tirol, eine Trendumkehr. „Seit zwei bis drei Jahren gibt es wieder einen extremen Aufwärtstrend. Es gibt sie wieder, die jungen Leute, die in der Gastronomie lernen wollen.“ Und Mattersberger weiß, wovon er spricht. Er beschäftigt derzeit 148 Mitarbeiter, davon 28 Lehrlinge. Zwei junge Damen, die in seinem Haus gelernt haben bzw. lernen, sind Rebecca Andiel (Hotel- und Gastgewerbeassistentin) und Franziska Kullmann (Köchin/Kellnerin). Sie sind überzeugt: „Die Hotellerie stirbt nie aus. Die Leute werden immer in den Urlaub fahren. Und mit einem in Österreich erlernten Beruf in dieser Branche steht dir die ganze Welt offen.“

Dass nicht nur die Gastronomie, sondern auch das Handwerk goldenen Boden hat, glaubt auch WK-Obmann Christian Strigl: „Natürlich brauchen wir technische Berufe, deshalb setzen wir ja alles daran, eine HTL in den Bezirk zu bekommen. Aber es ist nicht wichtig, was die Wirtschaftskammer will, sondern was der Markt braucht. Und dieser braucht eben auch Jugendliche, die eine Lehre absolvieren.“

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Die Liste der Top 10 der Mangelberufe führen derzeit im Außerfern das Baunebengewerbe und die Gebäudetechniker an. Strigl: „Das liegt sicher nicht am Verdienst. Die Löhne entsprechen jenen der Industrie. Dann wohl eher am Image, Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Die klassische Wetterschicht gibt es längst nicht mehr. Das schreckt wahrscheinlich viele ab.“

Aber Strigl ist auch überzeugt: „Jene, die trotzdem eine Ausbildung machen, sind weltweit gefragt und haben sicher einen Job bis ans Lebensende.“

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