Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.10.2017


Datensicherheit

Es fehlen IT-Experten in Österreich

Zu wenig Internetspezialisten in Österreich, Elga-Software kommt von Geheimdienst-naher Firma aus den USA.

© iStockphotoSymbolfoto.



Innsbruck – Um das Thema Datensicherheit geht es einem Innsbrucker Arzt. Er wollte sich eigentlich nur von der elektronischen Gesundheitsakte (Elga) abmelden. Was grundsätzlich – so versprechen die Macher von Elga – möglich sein sollte. Die Abmeldung erwies sich dann aber als gar nicht so einfach. Auch deshalb, weil der Arzt der Abmeldung keine Kopie seines Lichtbildausweises beilegen wollte. Er befand, dass seine Identität ohnehin bewiesen sei. Die Abmeldung klappte nicht, der Arzt beschritt daraufhin den Gerichtsweg.

Auf dem Weg durch die Instanzen tauchte er in die Welt der Digitalisierung und ihre Risiken ein. So wurde etwa in einer Verhandlungen öffentlich, dass keine europäische, sondern eine amerikanische Firma die Software für die elektronische Gesundheitsakte Elga programmiert habe. Dieses Unternehmen, Computer Sciences Corporations (CSC), arbeitet auch für die amerikanischen Geheimdienste CIA und NSA. Für den Arzt unverständlich, wieso sensible österreichische Gesundheitsdaten von einem amerikanischen Unternehmen digital aufbereitet würden.

Das kritisiert auch Hans Zeger. Er gilt mit seinem „Verein Arge Daten“ in Österreich als oberster Datenschützer. „Es ist ein Armutszeugnis für Österreich, aber auch die EU, dass wir keine eigenen Experten haben, die eine derartige Software zusammenbringen.“ Was passiert mit elektronischen Gesundheitsdaten? Laut Elga-Homepage hat nur Einblick, wer in die Behandlung einer Person „zum Zweck der Gesundheitsvorsorge oder Gesundheitsbehandlung, der medizinischen Diagnostik und für die Verwaltung von Gesundheitsdiensten“ involviert ist.

Dass Unternehmen gerne wissen, wie krank ihre Mitarbeiter tatsächlich sind, ist auch nicht neu. Bereits 2009 wurde bekannt, dass die Deutsche Bahn illegal Informationen über Krankheiten der Beschäftigten zusammengetragen hat. Auch die ÖBB haben, wie das Nachrichtenmagazin News im selben Jahr berichtete, über ihre Mitarbeiter systematisch Krankenakten angelegt. (ver)