Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Arbeitsmarkt

Artikel verfassen, Ideen belohnen und Segeln gehen: Teambuilding in Tirol

Ob als Krisenintervention, zur Zerstreuung oder für ein besseres Gefüge – Gründe für ein Teambuilding gibt es viele. Im TT-Interview erläutert Personalberaterin und Universitätslektorin Marielies Schwarz-Lux die Feinheiten.

© ErlerMachten Teambuilding auf einer Segeljacht: Zahnarzt Reinhold Erler (2. v. l.) mit seinem Arztkollegen Lars Heidenreich (l.) und den Mitarbeiterinnen. Foto: Ploner



Wann macht Teambuilding überhaupt Sinn?

Marielies Schwarz-Lux: Teambuilding kann zu unterschiedlichen Anlässen Sinn machen: um die Stärken in einem Team herauszuholen, um bestimmte Themen zu bearbeiten, um zusammen zu wachsen und als Startpunkt für ein neues Projekt. Teambuilding ist sinnvoll, wenn man neue Gruppen innerhalb einer Organisation bildet und Bereiche neu organisiert. Teambuilding braucht es nicht immer nur, wenn es Probleme und Konflikte in einem Unternehmen gibt, mit dem Teambuilding oft vordergründig assoziiert wird.

Ist Teambuilding auch von der Anzahl der Mitarbeiter abhängig?

Schwarz-Lux: Auch kleine Teams benötigen Teambuilding, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu gewähren. Wichtiger ist dann die Wahl der Methode, die man an die Anzahl der Mitarbeiter anpassen sollte.

Ist Teambuilding besonders notwendig bei hoher Mitarbeiter-Fluktuation?

Schwarz-Lux: Ja, dies kann eine Möglichkeit sein. Vorher sollte aber auf die Ursachen für die Probleme eingegangen werden, diese müssen erforscht werden. Eine hohe Fluktuation ist meist ein Ausdruck hoher Unzufriedenheit in der Mitarbeiterschaft, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Das Arbeitsklima, die Bezahlung, die Arbeitslast — der so genannte „Workload" — die Art der Führung, können dies auslösen. Auch der Umgang miteinander kann das Problem darstellen. Wo auch immer die Ursache gelagert ist, Teambuilding macht dann großen Sinn, wenn der Fokus darauf liegt, eine gemeinsamen Lösung zu suchen. Bei Teambuilding im Fall von Konflikten, ist es erfolgsversprechend jemanden Externen hinzuzuziehen, der den Prozess moderiert und unterstützt.

Kann der Zeitrahmen ausschlaggebend für den Erfolg bzw. Misserfolg einer solchen Maßnahme sein? Sind drei Tage zu kurz?

Schwarz-Lux: Drei Tage sind auf keinen Fall zu kurz, für viele Teambuilding-Aktivitäten ist dies zu lange. Teambuilding darf in einer Unternehmung auch nicht überstrapaziert werden, denn es soll ja kein gemeinsamer Urlaub sein, sondern eine fokussierte Art und Weise, miteinander eine atmosphärische Situation zu schaffen, um in dieser Situation eine Zielsetzung zu finden, die immer mit dem Arbeitskontext zu tun haben soll. Das heißt: Auch eine scheinbare Freizeitaktivität, findet ja den Sinn in der Stärkung des Teams. Je länger etwas dauert, heißt nicht automatisch, dass es zielführender ist. Oftmals sind kurze Aktivitäten wie eine Führung in einem Museum, ein Kochkurs u. Ä., welche die Freizeit der Mitarbeiter weniger in Anspruch nehmen, genauso effektiv. Diese Aktivitäten schaffen ein Gemeinschaftsgefühl und die Mitarbeiter haben ein Thema, über welches sie sich über die Arbeit hinaus austauschen können.

Gibt es für Sie Qualitätskriterien für ein gutes Teambuilding-Angebot?

Schwarz-Lux: Wenn ich es richtig verstehe, zielt diese Frage auf externe Anbieter ab. Man ist gut beraten, wenn Teambuilding von einer Person begleitet wird, die außerhalb des Teams steht — egal ob extern oder intern. Vor allem in Konfliktsituationen sind Unternehmen gut beraten, sich vorher gut zu überlegen, was macht man, warum macht man es und wozu macht man es. Was will man erreichen, wen will man adressieren, wie will man wen mitnehmen und wohin mitnehmen, um welches Resultat zu erreichen. Wenn diese Punkte gut überlegt sind, dann kann man von einem guten, zielführenden Teambuilding sprechen.

Firmen geben viel Geld aus für solche Maßnahmen. Manche ziehen sich in eine Almhütte zurück, andere gehen gemeinsam zum Segeln. Was braucht es wirklich?

Schwarz-Lux: Es hängt von der Zielsetzung ab — was will ich erreichen. Es ist nicht nur der Breakout (Hochseilgarten und Co.), der vordergründig unter Teambuilding läuft. Die gute Art des Teambuildings muss an die Ziel­erreichung angepasst werden: Manchmal braucht es eine Krisenintervention, manchmal braucht es Zerstreuung nach einer sehr stressigen intensiven Zusammenarbeit, Coaching um ein gemeinsames Zeil zu erreichen, Fokussierung auf eine neue Strategien, auf welche das Team eingeschwört werden soll. Es kommt einfach sehr stark auf das Ziel und das Team an. Wichtig ist, dass man im Vorfeld auf die Teammitglieder eingeht und dann die passende Form des Teambuildings wählt. Am Ende macht ein Team die Summe der einzelnen Individuen aus mit unterschiedlichen Bedürfnissen und partikularen Zielen.

Braucht eine Teambuilding-Maßnahme auch unbedingt eine Nachbetreuung?

Schwarz-Lux: Auf jeden Fall, die Frage ist ob dies systemisch und extern sein muss, aber es macht Sinn, dass die Nachbetreuung sich so ausgestaltet, dass man sich am Ende des Teambuildings ausmacht, was man daraus gelernt hat und was man als Team mitnehmen möchte. Nachbetreuung kann für einen selbst heißen, dass man sich vornimmt, gewisse Dinge anders zu machen.

Wenn Teambuilding „nur" der Chef will — kann das Ergebnis überhaupt von Erfolg gekrönt sein?

Schwarz-Lux: Ein Team zu sein, kann nie angeordnet werden, aber intensiviert werden, es muss vorgelebt werden, es muss der Rahmen geschaffen werden. Team zu sein, heißt am selben Ende, am selben Strang zu ziehen, dafür braucht es ein gemeinsames Teamverständnis: Gute Teamarbeit ist immer gute Führungsarbeit.

Wenn Mitarbeiter gut miteinander können, ist dann Teambuilding überhaupt sinnvoll?

Schwarz-Lux: Wenn alle gleichgeschaltet sind und sich nach dem Mund reden, ist dies sicherlich ein toller Freundeskreis, aber kein gutes Team. Es kann dann zum berühmten Group-Think-Phänomen kommen. Ein gutes Team besteht darin, komplementäre Menschen zu haben, die sich gegenseitig unterstützen und ergänzen, unterschiedliche Sichtweisen und Kompetenzen einbringen.

Das Gespräch führte Margit Bacher